Geschichte der Volkshochschule Herten

  • Gegründet im Februar 1923 - als eine der ersten Volkshochschulen des Ruhrgebiets
  • Neugründung nach dem Zweiten Weltkrieg im September 1946

Am 10. Februar 1920 diskutierten auch die Hertener Gemeinde- und Amtsverordneten erstmals über die Einrichtung einer Volkshochschule. Ein Bildungsausschuss wurde ins Leben gerufen, doch es blieb bei vorbereitenden Arbeiten. 

Fast wäre der Volkshochschulgedanke damit frühzeitig zu Grabe getragen worden, hätten nicht im Frühjahr 1923 vier Männer erneut die Initiative ergriffen.

Am 15.2.1923 wurde die Gründung zusammen mit interessierten Bürgerinnen und Bürgern im Zeichensaal des Gymnasiums vorgenommen.

1926 - Neue Impulse

Doch schon nach ersten hoffnungsvollen Anfängen drohte der VHS das „Aus“. Neue Impulse erhielt die VHS 1926 durch Berufsschuldirektor Rheinländer. Hitlers Machtergreifung 1933 änderte das Bild vollständig. Der „Reichsverband der Deutschen Volkshochschulen“ löste sich auf.

1945 - "Kulturelle Betätigung trotz aller Schwierigkeiten"

„Die Stadtverwaltung hat sich die Aufgabe gestellt, trotz aller Schwierigkeiten, die Bevölkerung der Stadt Herten wieder zur kulturellen Arbeit und Betätigung anzuregen." Das schrieb am 25. August 1945 Wilhelm Rheinländer, Hertens erster Stadtdirektor nach dem Zweiten Weltkrieg. Er ging daran, die Kräfte für einen kulturellen Neubeginn auf breiter Basis zu bündeln. Die „Volksbildung und damit die Arbeit der Volkshochschule, sollte diesem Zweck dienen.

Dazu der Pressebericht zur Gründung der VHS am 6. September 1946

"Am 6. September 1946 erteilte die Militärregierung die Erlaubnis zur Eröffnung der Volkshochschule Herten. Die Volkshochschule ist autonom; sie ist frei sowohl in parteipolitischer wie konfessioneller Hinsicht, doch ist die Mitarbeit geeigneter Persönlichkeiten aus allen Bereichen des öffentlichen Lebens erwünscht und vorgesehen. Die Arbeit in den Kursen und Arbeitsgemeinschaften ist nach dem 23.9.1946 aufgenommen worden. Die Kurse und Arbeitsgemeinschaften finden sämtlich in der Oberschule statt. Der genaue Stundenplan soll in der nächsten Nr. des "Bekanntmachungsblattes" veröffentlicht werden. Es laufen drei englische Sprachkurse für Anfänger, zwei für Fortgeschrittene. Da diese Kurse völlig besetzt sind, können darin keine weiteren Teilnehmer aufgenommen werden. Besonders hingewiesen sei nochmals auf die Aussprache-Nachmittage der VHS, die uns bewusst zum gegenseitigen Verstehen und zur Achtung vor der ehrlichen Überzeugung des anderen führen sollen. Männer und Frauen guten Willens, vor allem der jungen Generation, sind eingeladen zur nächsten Zusammenkunft am Freitag, 11. Oktober, 17 Uhr, im Sitzungssaal des Rathauses. Thema: Rufe über die Grenze (Bericht und Aussprache über das Streitgespräch zwischen den Dichtern Thomas Mann in Amerika und Frank Thieß in Deutschland über die Wiedergeburt des deutschen Geistes)."

1952 - Konflikte mit Vereinen

1952 zeichneten sich Konflikte mit Vereinen ab. Erstmals wurden Befürchtungen laut, die VHS könnte den Vereinen das Wasser abgraben (Vorwürfe, die auch Jahre später noch aktuell sind). In Zeiten des allgemeinen Aufbaus ließen sich auch Diskussionen um die Finanzen nicht vermeiden. Wie viel Geld darf die Volksbildung kosten? Und schließlich wurde 1953 die Frage nach der haupt- oder nebenamtlichen Leitung der Volkshochschule beinahe zur Zerreissprobe für die im Rat streitenden Parteien. Am 1. Mai 1954 trat Heinrich Brocke sein Amt an. Die erforderliche Anerkennung der Hertener Volkshochschule durch das Kultusministerium erfolgte am 20.12.1954. Ein wichtiges Etappenziel für die Volkshochschule als „Kulturfaktor unserer Stadt" war erreicht.

Name: Berthold Petrat...

Berufe: kaufmännischer Angestellter, Mitarbeiter der Volkshochschule, des Kulturrings, Leiter des Sportamtes
Hobbys: Bildung und Sport

Er hat die Plakate geklebt und mit Dozenten verhandelt, dem Stadtdirektor seine Verlobung mit seiner Arbeitskollegin angezeigt und ihr dafür die Kündigung überreichen müssen, 450 Überstunden geleistet und dafür den Kommentar kassiert: Das kann man dem Rat nicht mitteilen.

Berthold Petrat war für die Hertener VHS ein Mann der ersten Stunde und ein Mädchen für alles. Am 15. November 1947 wurde er als Sekretär des Kulturrings eingestellt. Seine Zusatzaufgabe war die Geschäftsführung der Volkshochschule. Vier Monate vorher war er unterernährt aus russischer Gefangenschaft zurückgekehrt. Trotz Krankheit war er froh über die Anstellung. Vor dem Krieg hatte der gebürtige Hertener bei der Firma Hese eine kaufmännische Ausbildung abgeschlossen. Nach dem Krieg orientierte er sich anders.

Petrat erinnert sich...

„In den Anfangsjahren herrschten wilde Zustände. Die VHS war immer untergebuttert. Leute, die da arbeiteten waren die Spinner, die mit der Baskenmütze". Trotzdem hatte die Volkshochschule großen Zulauf. Schon im 2. Semester 1947 gab es 1300 Hörer, erinnert er sich. Feiertags- und Wochenend-Arbeit waren keine Seltenheit. Kurse fanden in privaten Wohnungen statt, die Musik-Arbeitsgemeinschaft zum Beispiel bei Fotograf Pollmann.

Als es um die hauptamtliche Leitung der VHS ging, hatte der Nicht-Akademiker Petrat keine echte Chance. Heinrich Brocke war sein Lehrer in der Augustaschule und später sein väterlicher Freund. Dass Brocke der erste hauptamtliche Leiter der VHS wurde, dafür hat sich Petrat eingesetzt.

Die 70er-Jahre: Ein eigenes Haus für die VHS

Der Beginn der siebziger Jahre war wesentlich geprägt von den Auswirkungen des neuen Weiterbildungsgesetzes NRW. Mit diesem Gesetz wurden Einrichtung und Unterhaltung einer Volkshochschule zur kommunalen Pflichtaufgabe.

1979 ging ein langgehegter Wunsch in Erfüllung: Die VHS konnte ihr eigenes Haus beziehen. Jahre im Vorfeld hatte es heftige Diskussionen um ein Für und Wider gegeben.

Noch 1966 wurde der damalige VHS-Leiter Heinz Lauzeningks hartnäckig von Hertener Bürgern in öffentlichen Diskussionen attackiert, weil er eine „insel" (Marler Volkshochschule) für Herten forderte. Trotz aller Kontroversen kam also 1979 Jahren das eigene Haus. Ursprünglich wurde es 1914 als Sitz der Privaten Hertener Kreditbank errichtet. Nach dem ersten Weltkrieg erwarb die Familie Schweisfurth das Haus neben dem Rathaus und verkaufte es Mitte der 70er Jahre an die Stadt. Bedingung war: Es sollte für kulturelle Zwecke genutzt werden.

Ein „dickes Pfund" war die Lage des Hauses mit einem großen Garten unmittelbar am Schlosspark. Das VHS-Sommerfest wurde installiert und gehörte jahrelang zu den beliebtesten „Open-air-Veranstaltungen" der Innenstadt bis es in den 90er Jahren dem Sparzwang zum Opfer fiel.

Das neue Jahrtausend: 90 Jahre VHS Herten

Am 23. Februar 2013 konnte die VHS bereits ihr 90-jähriges Bestehen feiern. Mit einer Bildungsstunde der besonderen Art wurde der Anlass mit den Bürgerinnen und Bürgern begangen: Jürgen Becker – der Kölner Kabarettist – war mit einem Sonderprogramm zur kulturellen Bildung im Glashaus Herten zu Gast. Bürgermeister Dr. Uli Paetzel gratulierte der VHS und schnitt den Geburtstagskuchen an. 

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