Überblick der Kunstwerke

Der neue Wegweiser zur Kunst im öffentlichen Raum in Herten gibt einen Überblick über rund 50 Kunstwerke. War der alte Skulpturenführer noch auf Herten-Mitte beschränkt, so widmet sich die Neuauflage Kunstwerken im gesamten Stadtgebiet. Bekannte, vergessene und auch neue Kunst am Wegrand kann so entdeckt werden. Abstraktes wie Gegenständliches ist ebenso zu finden, wie Kunst in religiösen Zusammenhängen.


1. Holzplastik

Aufstellungsdatum unbekannt
Leonard Wübbena (*1946)
Herner Str. 10

Leonard Wübbena ist mit drei Werken in Herten vertreten. Zahlreiche Werke des in Wittmund, Ostfriesland, geborenen Künstlers befinden sich im öffentlichen Raum. Das Bekannteste ist seine Plastik vor der Kunsthalle in Wilhelmshaven.

Die Holzplastik steht hinter Büschen auf einer Wiese an der Herner Straße. Sie besitzt aufgrund ihres Materials im Werk Wübbenas, der sich seit den 1980er Jahren auf Stahlplastiken konzentriert, eine gewisse Sonderstellung. Dennoch weist sie die typisch reduzierte Formensprache des Künstlers auf. Wübbena arbeitet häufig mit Fundstücken aus industrieller Produktion oder erfindet Formen, die Teile von Werkzeugen oder Maschinen sein könnten. Die Hertener Holzplastik wirkt wie eine aus der Zeit gefallene Kriegsmaschine: eine grob gezimmerte Abschussrampe für ein Wurfgeschoss.

Für seine zweite in Herten befindliche Arbeit Aufbruch hat Wübbena  Bergbaustützen und Stahlträger der ehemaligen Zeche Schlägel & Eisen verwendet. Das Material verweist auf die inzwischen zu Ende gegangene Bergbautradition und richtet gleichzeitig den Blick in die Zukunft. Der zukunftsweisende Charakter wird durch Dynamik der sieben Meter hohen Elemente hervorgerufen. Die Skulptur wurde 2000 vor dem Herten-Forum aufgestellt. Sie wird demnächst im Zuge des Busbahnhofumbaus abgebaut und auf der ehemaligen Zeche Schlägel & Eisen erneut errichtet.

Das dritte Werk Der Blitz, der den Händler traf (Nr. 23) befindet sich auf dem Gelände des Toom Marktes (Kaiserstraße 239-241).


2. Stadtteilbrunnen

Aufstellung 1987
Michael Friederichsen (*1938)
Süder Markt/vor dem Bürgerhaus Herten-Süd (Hans-Senkel-Platz 1)

Der Stadtteilbrunnen des Münchner Bildhauers Michael Friederichsen wurde 1987 vor dem neu eröffneten Bürgerhaus Herten-Süd, dem ehemaligen Stellmacherhaus der Vestischen Straßenbahnen, aufgestellt. Becken und Brunnensäule sind aus je einem Block aus Bayerwaldgranit gearbeitet. Der Motivkranz wurde in Bronze gegossen. Die Brunnensäule unterhalb des Kranzes ist als Pfeiler und oberhalb als Säule gearbeitet. Der Motivkranz zeigt im Zentrum einen Baum, aus dessen Wurzeln Wasser sprudelt. Baum und Wasser sind Symbole des Lebens. Die Hand über dem Baum ermahnt den Betrachter, die Natur zu schützen und sein Umweltbewusstsein zu schärfen. Auch die Grubenlampe stellt ein Symbol des Lebens dar, ist sie doch überlebenswichtig für die Bergleute unter Tage. Weitere Werkzeuge aus dem Bergbau und Motive wie z. B. eine Straßenbahn erinnern an die Arbeit und das Leben im Stadtteil.

Das Becken ist schneckenförmig in Anlehnung an einen Ammoniten gearbeitet und verweist auf die Erdgeschichte des Ruhrgebiets


3. Burgenland

Aufstellung 2010
Nils-Udo (*1937)
zwischen Schlosspark und Landschaftspark Hoheward

Im Rahmen der Kulturhauptstadt RUHR.2010 schuf der Künstler Nils-Udo das Burgenland, das aus 15 begrünten, zwischen ein, zwei und drei Meter hohen Erdhügeln besteht. Spaziergänger können das Ensemble entlang einer Achse zwischen dem Schloss Herten und dem Landschaftspark Hoheward erleben. Die Achse verbindet zeitlich und räumlich das Barockschloss mit der Industrielandschaft im Süden der Stadt.

Der Wandel der Landschaft durch die Industrialisierung wird an den begrünten Hügeln ablesbar, da mit den menschlichen Eingriffen auch die bisherige Naturlandschaft verändert wurde. Auf acht von fünfzehn Hügeln hat Nils-Udo typische Zechengebäude aus Cortenstahl installiert. Die Aufbauten nehmen in Richtung Emscherbruch kontinuierlich ab, so dass zum ehemaligen Bergbaustandort hin immer öfter nur leere Hügel zu sehen sind. Die Modelle der mittlerweile selbst historisch gewordenen Zechen repräsentieren die 130-jährige Bergbautradition Hertens.

Cortenstahl hat die Eigenschaft, sehr schnell ausschließlich an der Oberfläche zu rosten, so dass bereits kurz nach ihrer Aufstellung die Miniaturgebäude zu Symbolen der Vergänglichkeit geworden sind. Die Gebäudeensembles bestehen unter anderem aus Förder- und Malakowturm. Auch eine Sheddachhalle gehört dazu.

Der unter dem Namen Nils-Udo bekannte Künstler begann seine Laufbahn als Maler. Nach zehn Jahren rückte die Arbeit mit der Natur in den Fokus seines Schaffens. Mittlerweile ist er einer der profiliertesten LandArt-Künstler.


4. Gänsebogen mit Gänseplastik

Aufstellung 17. Juni 1997
Wolfgang Lamché (*1947)
Margarete-Stein-Platz/Eingang zum Alten Friedhof

Für sein Werk wählte der in Hamm geborene Künstler Wolfgang Lamché die Gans, bekannt als das wichtigste Masttier der Bergleute. Dreizehn zu flächigen Silhouetten stilisierte Gänse durchfliegen einen über fünf Meter hohen Edelstahlbogen. Der am Eingang des Alten Friedhofs stehende Bogen nimmt das Motiv der Sandsteinbögen einer früher dort existierenden Ladenzeile auf. Unterhalb des Bogens sucht eine vollplastisch und lebensgroß in Bronze ausgeführte Gans nach Futter.

Mit dem „Mastvieh“ der Bergleute und dem Aufstellungsort wird doppelt an die lokale Geschichte Hertens angeknüpft. Überdies bietet der Gänsebogen durch das glänzende Material und seine geschwungenen Formen einen Kontrast zu der streng geometrischen Struktur der rot verklinkerten Cirkel-Arkaden nebenan. Das Kunstwerk verdankt seine Existenz einer Spende der Unternehmungen Schettler aus Herten.


5. Jüngstes Gericht

(für die Priestergräber)

Aufstellung Oktober 1965
Franz Crone (1922-2002)
Alter Friedhof Herten-Mitte

Das inzwischen leicht verblasste, zur Zeit seiner Aufstellung starkfarbige Mosaikbild schmückt die Anlage der Priestergräber (vergl. Nr. 26 und 42) auf dem Alten Friedhof. Das farb- und formschöne Tonmosaik ist ein Werk des aus Telgte stammenden Künstlers Franz Crone. Es ist circa 6 Meter breit und 2,5 Meter hoch.

Von Engeln geführt schreiten Repräsentanten von Klerus und Laien auf den Weltenrichter Christus zu, der die Kreuzigungswunden vorweist und in einer Gloriole mit den Posaunen des Jüngsten Gerichts auf die Erlösten wartet.

Der Friedhof wurde in den 30er Jahren des 19. Jahrhunderts angelegt und 1900 erweitert. Die Priestergräber stammen aus den Jahren 1873 bis 1950.


6. Schutzmantelmadonnen

a) Aufstellung 1960/1962
Bonifatius Stirnberg (*1933)
St.-Elisabeth-Hospital (Im Schlosspark 12)

Das Motiv der Schutzmantelmadonna ist seit dem 12. Jahrhundert bekannt, abgeleitet von der ursprünglich juristischen Geste des Mantelschutzes: Hochgestellte Personen, insbesondere Frauen, konnten Verfolgten unter ihrem Mantel Schutz gewähren und für sie Gnade erbitten. Mit wachsender Marienverehrung nahmen die Darstellungen Marias mit dem Schutzmantel im 14. und 15. Jahrhundert zu und setzten sich bis in die Gegenwart fort.

Die Schutzmantelmadonna von Bonifatius Stirnberg am St.-Elisabeth-Hospital war schon im Vorgängerbau (1895-1977) an der Hospitalstraße aufgestellt. Sie ist 1977 mit auf das neue Gelände umgezogen, was durch einen Tagebucheintrag der Ordensschwestern vom 9. September 1977 belegt ist. Die Schutzmantelmadonna steht heute mit Blick auf den See hinter der Krankenhauskapelle.

b) Aufstellung 1978
Hilde Schürk-Frisch (1915-2008)
Marktplatz Innenstadt

Während die traditionelle Darstellung von Bonifatius Stirnberg nur Menschen unter Marias Mantel zeigt, hat Hilde Schürk-Frisch ihre Bronzedarstellung für den Standort am Marktplatz aktualisiert: Bei ihr gilt der Mantelschutz der ganzen Schöpfung mit Hund, Hahn, Schwein und der Pflanzenwelt. Auf der Rückseite ist die Inschrift „Unter deinen Schutz und Schirm fliehen wir“ zu lesen, die erste Zeile des vermutlich ältesten Mariengebets.

Eine weitere Schutzmantelmadonna befindet sich im Besitz der Gemeinde St. Maria Heimsuchung. Sie war lange am Marienheim angebracht. Nach dessen Verkauf wird zurzeit ein neuer Aufstellungsort gesucht.


7. Sankt Elisabeth


Anbringung 23. September 1977
Hilde Schürk-Frisch (1915-2008)
St.-Elisabeth-Hospital (Im Schlosspark 12)

Ein weiteres Werk der Bildhauerin Hilde Schürk-Frisch ist das St.-Elisabeth-Relief am Eingang des St.-Elisabeth-Hospitals, das exakt sechs Monate nach der Einweihung des Krankenhauses angebracht wurde. In vereinfachter Form erkennt man das Motiv auch auf dem Logo des St.-Elisabeth-Hospitals.

Mit der Inschrift „Alle Wege des Herrn sind Erbarmen. St. Elisabeth“ wird an die Geschichte der Heiligen erinnert. Elisabeth von Thüringen (1207–1231) fiel schon als Landgräfin durch karitative Tätigkeiten auf, die weit über das Übliche hinausgingen. Nach dem Tod ihres wohlhabenden Ehemannes verließ sie dessen Hof, um als schlichte Spitalschwester für Bedürftige zu sorgen. Die Krone zu Füßen der Heiligen ist Sinnbild des Verzichts auf den Adelstitel und die damit verbundenen Privilegien.

Die links oben, am Ende eines langen, in linearen Bögen angezeigten Weges angebrachte Krone vergegenständlicht die „Krone des Lebens“, die Elisabeth mit der Heiligsprechung durch Papst Gregor IX. zu Pfingsten 1235 zuteil wurde.


8. Sankt Sebastianus

Aufstellung 1978
Karl-Heinz Klein (*1926)
St. Antonius-Kirche, Südseite (Marktplatz Herten-Mitte)

Nach dem Ausbau der Sakristei der St.-Antonius-Kirche wurde 1958 an der äußeren Mauerecke zunächst eine hölzerne Figur des heiligen Antonius angebracht, die aber schon nach kurzer Zeit starke Verwitterungserscheinungen aufwies. An ihrer Stelle stirbt nun, hoch über Marktständen und parkenden Autos, der heilige Sebastian seinen Märtyrertod durch Pfeile.

Sebastian gehörte, aus Mailand stammend, zur Leibwache des Kaisers Diokletian (243–313), der die Christen mit Nachdruck verfolgte. Da Sebastian den bedrängten Glaubensbrüdern half und fortgesetzt Römer bekehrte, ließ der Kaiser ihn an einen Pfahl binden und von Bogenschützen beschießen. Er überlebte und trat, gesund gepflegt, Diokletian mit Anklagen entgegen, worauf dieser ihn erschlagen ließ.

Der unbekleidete, pfeildurchbohrte jugendliche Märtyrer war seit der Renaissance einer der Lieblingsheiligen der Bildenden Kunst. Auch die Hertener Statue entspricht dieser Tradition. Der Düsseldorfer Bildhauer Karl-Heinz Klein schuf die Plastik im Auftrag der St.-Sebastianus-Gilde, die um 1620 in Herten entstanden ist und sich unter dem nachhaltigen Eindruck der großen Pestepidemien zu praktischer Nächstenliebe verpflichtet hat.


9. Mädchen mit Taube


Entwurf 1986 /Auftragserteilung 1989/Aufstellung 1990
Annette Wittkamp-Fröhling (*1946)
Antoniusplatz/Ecke Antoniusstraße

Ein Mädchen, das eine anscheinend zutrauliche Taube füttert, steht seit 1990 bei Wind und Wetter auf dem Antoniusplatz. Es handelt sich um die Bronzeplastik Mädchen mit Taube von Annette Wittkamp-Fröhling.

Die Taube, die gemeinhin vor allem für Unschuld und Frieden steht, hat in einer Stadt wie Herten noch eine ganz andere Bedeutung: Die Taube ist das Lieblingstier der Bergleute, auch „Rennpferd des kleinen Mannes“ genannt. Insofern reflektiert die Plastik sowohl die lange Bergbautradition der Stadt als auch die enge Beziehung von Mensch und Tier.

Die Plastik steht auf einer in den Boden eingelassenen Plinthe; das ist eine niedrige, rechteckige Platte, wie man sie unter Säulen, Pfeilern oder Statuen antrifft. Ursprünglich war es vorgesehen, das Mädchen mit Taube inmitten eines Brunnens zu platzieren. So wurden bei der Gestaltung des Platzes sogar die nötigen Anschlüsse verlegt. Auf Grund der hohen Betriebskosten entschied man sich letztendlich jedoch dafür, nur die Figur aufzustellen, die sich gut in den schlicht gestalteten Antoniusplatz einfügt.


10. Lesender

Aufstellung 3. Dezember 1984
Heinrich Brockmeier (*1938)
Place d’Arras

Die Bronzeplastik Lesender ist eines von fünf Werken des Bildhauers Heinrich Brockmeier im Hertener Stadtgebiet (s. Kommunikation – Nr. 11, Miteinander – Nr. 16, Otto-Wels-Gedenkplatte – Nr. 18, Tauben – Nr. 32).

Mit abgelegtem Hut und lässig übereinandergeschlagenen Beinen sitzt die circa 300 Kilogramm schwere Bronzefigur auf dem Rand eines Brunnens, der 1983 anlässlich der Partnerschaft Hertens mit der französischen Stadt Arras fertig gestellt wurde.

Der Lesende stützt seinen Kopf ab und ist in ein Buch vertieft. In seiner ruhenden Pose bildet er einen Kontrast zu der alltäglichen Geschäftigkeit in der Hertener Innenstadt.

Die Plastik lädt zum Ruhen und Verweilen ein. Neben dem Lesenden ist genügend Platz, um sich eine kleine Pause zu gönnen oder seinem Beispiel zu folgen.


11. Kommunikation

Aufstellung 15. Mai 1986
Heinrich Brockmeier (*1938)
Ewaldstraße/Einmündung Vitusstraße

Wäre sie nicht überlebensgroß, nackt und aus Bronze, würde sie wahrscheinlich kaum auffallen: die vierteilige Menschengruppe Kommunikation von Heinrich Brockmeier. 

Ein junges Paar mit Kind begegnet einem Mann und es scheint ein Gespräch zu entstehen. Das Kind zerrt an der Hand der Mutter und will offensichtlich weg, vielleicht zum nächsten Eismann oder Schaufenster. Ähnliche Szenen sind oft in der Innenstadt zu beobachten. Das Werk fordert dazu auf, im Spiegel der Kunst die alltäglichen Begegnungen mit anderen näher zu betrachten und sich so ihrer Besonderheit über den Moment hinaus bewusst zu werden. Die Plastik Kommunikation wurde von der Kreissparkasse Recklinghausen (Sparkasse Vest), den Bürgern sowie der Stadt Herten gestiftet.


12. Brunnensäule

Aufstellung 15. Mai 1986
Heinrich Brockmeier (*1938)
Ewaldstraße/Einmündung Vitusstraße

Wäre sie nicht überlebensgroß, nackt und aus Bronze, würde sie wahrscheinlich kaum auffallen: die vierteilige Menschengruppe Kommunikation von Heinrich Brockmeier. 

Ein junges Paar mit Kind begegnet einem Mann und es scheint ein Gespräch zu entstehen. Das Kind zerrt an der Hand der Mutter und will offensichtlich weg, vielleicht zum nächsten Eismann oder Schaufenster. Ähnliche Szenen sind oft in der Innenstadt zu beobachten. Das Werk fordert dazu auf, im Spiegel der Kunst die alltäglichen Begegnungen mit anderen näher zu betrachten und sich so ihrer Besonderheit über den Moment hinaus bewusst zu werden. Die Plastik Kommunikation wurde von der Kreissparkasse Recklinghausen (Sparkasse Vest), den Bürgern sowie der Stadt Herten gestiftet.

Aufstellung 5. September 1979
Waldemar Wien (1927-1994)
Ewaldstraße/Kranzplatte

Die 2,5 Meter hohe Brunnensäule entstand nach einem Wettbewerb, in dem sich Waldemar Wien aus Kierspe durchsetzen konnte.

Die Brunnenkomposition hat seit ihrem Bestehen mehrere Wandlungen durchlaufen. Die Ursprungsform bestand aus der blütenkelchförmig sich öffnenden Bronzesäule in einem Natursteinbecken. Ergänzt und begrenzt wurde dieses durch ebenfalls blütenblättrich angeordnete Sitzbänke aus Betonguss.

Bei der Umgestaltung des Platzes 1984 wurden die Sitzgelegenheiten entfernt. Durch einen 40 Zentimeter hohen, sanft abgerundeten Wall aus Basalt-Mosaikpflaster sollte die Säule besser zur Geltung kommen. Nach der letzten Neugestaltung des Platzes 2010 wurde der Standort der Brunnensäule erneut verändert. Sie wurde auf einem leicht erhöhten und sehr flachen Wasserbecken aufgestellt.

Ein weiteres Werk von Waldemar Wien im Besitz der Stadt Herten ist die Vegetative Säule. Als 2003/2004 der Otto-Wels-Platz neu gestaltet wurde, musste die Skulptur abgebaut werden. Es ist geplant, ihr einen neuen Platz vor dem Eingang des Copa Ca Backum zu geben.


13. Sankt Antonius

Aufstellung 1903
Wilhelm Bolte (1859-1941)
Kranzplatte

An der Kranzplatte wacht auf hohem Sockel mit Spitz- und Kleeblattbögen, den typischen Architekturmotiven der Neo-Gotik, der lebensgroße „Swinetiöns“ über die Stadt.

Der Patron der ältesten Pfarrkirche Hertens gilt als Begründer des abendländischen Mönchtums und seit dem Mittelalter als Schutzpatron gegen Seuchen und Viehkrankheiten.

Bei der Sandsteinskulptur von Wilhelm Bolte verweisen Kutte und Buch auf den gelehrten Eremiten zurück, der aus der Wüste mit den weltlichen und geistlichen Führern der damaligen Welt korrespondierte; er starb, weithin berühmt, im Jahr 356 im Alter von 105 Jahren.

Zur Darstellung des Antonius gehört ebenfalls das Taukreuz mit dem Glöckchen, Kennzeichen der Brüder des Antoniter-Ordens, die sich beim Betreten eines Ortes damit anmeldeten. Die Schweinezucht war eines der Privilegien des Ordens, der sich ansonsten vorzugsweise der Krankenpflege widmete. So kam der heilige Antonius als Helfer gegen Krankheiten von Mensch und Tier in der Kunst zu seinem ständigen Begleiter, dem Schwein. Bereits im 13. Jahrhundert gab es in Herten eine Kapelle zu Ehren des Heiligen, die in der Folgezeit zum Zentrum des westfälischen Antoniuskultes avancierte.


14. a) Schweineherde

Aufstellung 3. Mai 1990
Peter Lehmann (1921-1995)
Otto-Wels-Platz

Die 10-teilige Schweineherde des Bremer Bildhauers Peter Lehmann wurde 1990 auf dem Otto-Wels-Platz aufgestellt und soll nach besonderem Wunsch der Stifterin Elisabeth Tengelmann (geb. Schweisfurth), vor allem Kinder ansprechen. So lädt bis heute der Eber mit seinen drei Sauen und sechs Ferkeln Groß und Klein zum Klettern, Spielen und Pausieren ein.

b) Schweinefamilie

Aufstellung 9. September 2010
Ekkhard Arens (*1957)
Kranzplatte

Zwanzig Jahre später wurde eine weitere Schweinefamilie in der Hertener Innenstadt an der Kranzplatte aufgestellt. Die einander gegenüberstehenden Schweine – Eber, Sau und Ferkel – stellen nach Angaben des Künstlers Ekkhard Arens westfälische Trompetenschweine dar, was an ihren Nasen leicht zu erkennen ist.

Beide Schweinegruppen sind etwa lebensgroß und aus Bronze gearbeitet. Besonders aufmerksame Betrachter, besser gesagt Ertaster, können einen Unterschied ausmachen: Als Glückssymbol hat Ekkhard Arens bei seinen Schweinen ein kleines Herz ins rechte Ohr eingearbeitet.


15. THIN(G)K

Denkmal für Jugendliche

Entstehungszeitraum 15.–16. Mai 1999
Schülerinnen und Schüler der Rosa-Parks-Schule mit
Bernd Moenikes (*1955) und H. D. Gölzenleuchter (*1944)
vor dem Städtischen Gymnasium (Gartenstraße 40)

Die Holzskulptur THIN(G)K – Denkmal für Jugendliche ist während des Projekts „Rent an Artist" des Kultursekretariats Gütersloh NRW entstanden. Vierzehn Schülerinnen und Schüler der Städtischen Gesamtschule, im Alter zwischen dreizehn und sechzehn Jahren, entschieden gemeinsam mit dem Dortmunder Bildhauer Bernd Moenikes und dem Bochumer Maler und Grafiker H. D. Gölzenleuchter über Entwurf, Ausführung und Ort der Aufstellung.

Das Projekt wurde am 15. und 16. Mai 1999 in einem Container auf dem Otto-Wels-Platz durchgeführt. Mit ihrer Skulptur wollten die Schülerinnen und Schüler ein Zeichen für den Frieden setzen. Deshalb arbeiteten sie das Wort „Frieden“ in vielen verschiedenen Sprachen in die Holzstele ein.

Die Stele fand vor dem Städtischen Gymnasium schließlich ihren Standort.


16. Miteinander

Aufstellung 3. August 1999
Heinrich Brockmeier (*1938)
Hermannstraße/Ecke Jakobstraße

Das Werk Miteinander von Heinrich Brockmeier besteht aus zwei  nebeneinanderstehenden, 2,5 Meter hohen Stelen mit quadratischem Grundriss. Diese setzen sich aus jeweils drei Edelstahlquadern zusammen, die zweimal von Menschengruppen durchbrochen werden. Je 25 Bronzefiguren, in Fünferreihen und im Wechsel von männlich und weiblich angeordnet, bilden eine Gruppe. Aufgrund serieller Produktion sind die jeweils männlichen und weiblichen Figuren gleich. Darüber hinaus führt die Abstraktion der Geschlechtsmerkmale zu einer großen Ähnlichkeit aller Figuren.

Bewusst werden dem Betrachter durch den allgemein gefassten Titel Miteinander Interpretationen und Assoziationen offengelassen.

Menschen stehen neben-, vor- und hintereinander, bewegungslos und ohne erkennbare Aktion. Trotzdem geht von dem Werk ein Eindruck von Gemeinsamkeit und Entschlossenheit aus, als ob es die Bürgerinnen und Bürger daran erinnern wolle: Gemeinsam sind wir stark.


17. Großer Summstein (Modell Krefeld)

Aufstellung 1994
Hugo Kükelhaus (1900–1984)
Innenhof des Glashauses (Hermannstraße 16/Jacobstraße)

Etwas versteckt und trotz seiner Höhe von fast fünf Metern kaum bemerkt steht der Große Summstein von Hugo Kükelhaus hinter dem Glashaus. Der stille und einsam gelegene Aufstellungsort wurde 1994 mit Bedacht gewählt. Zwar ging man damals noch davon aus, dass durch das soeben eröffnete Glashaus mehr Publikum den Platz beleben würde. Für das Kunstwerk erwies sich der Ort jedoch als ein Glücksfall.

Seit 1960 beschäftigte sich der Essener Künstler und Pädagoge Kükelhaus mit der Entwicklung "naturkundlichen Spielwerks", das zu einer Intensivierung der menschlichen Wahrnehmung führen sollte. Weltweit bekannt machte den gelernten Schreiner sein Erfahrungsfeld zur Entfaltung der Sinne, eine Ausstellung, deren ungewöhnliche Spiel- und Experimentierstationen Besucher zum Tasten, Hören, Sehen, Riechen und Schmecken, aber auch zum Sichbewegen und Balancieren einladen.

Zu den Werken, die diesem Konzept entsprechen, gehört auch der Große Summstein im Innenhof des Glashauses. Der aus einem Stück gehauene und 8,5 Tonnen schwere Naturstein hat auf zwei Seiten verschieden hohe Aussparungen. Der Betrachter soll den Stein erfahren, indem er ihn nicht nur anschaut, sondern ihn auch ertastet und sogar in ihn eindringt. Hält er den Kopf in eine der Aushöhlungen und summt dabei, wirft der Stein die Vibration des eigenen Körpers zurück und macht diese erlebbar.


18. Otto-Wels-Gedenktafel

Aufstellung 16. September 1983
Heinrich Brockmeier (*1938)
Otto-Wels-Platz

Mit der Gedenktafel würdigt die Stadt Herten einen besonders couragierten Politiker: Otto Wels (1873–1939) gehörte 1912–1918 und 1920–1933 dem Deutschen Reichstag an. Nach der Regierungsübernahme Hitlers begründete er als Fraktionsvorsitzender der SPD am 23. März 1933 die Ablehnung des Ermächtigungsgesetzes mit jenen berühmten Sätzen, die neben seinem Portraitrelief auf der Tafel zu lesen sind:

„Kein Ermächtigungsgesetz gibt Ihnen die Macht,
Ideen, die ewig und unzerstörbar sind, zu vernichten!“
„Freiheit und Leben kann man uns nehmen, die Ehre nicht!“

Am 50. Jahrestag dieser Äußerungen, am 23. März 1983, beschloss der Rat der Stadt Herten, den Platz vor dem Rathaus nach Otto Wels zu benennen. Am 16. September 1985 wurde vor dem Hallenbad die von Heinrich Brockmeier gefertigte Otto-Wels-Gedenktafel aufgestellt. Diebstahl der Tafel und Neubau der Rathausgalerien erzwangen Neuguss und Umstellung, bevor sie ihren jetzigen Standort unterhalb eines Baumes auf dem Otto-Wels-Platz erhielt.


19. Bodenflügel

Einweihung 14. Juni 2005
Dorothee Bielfeld (*1973) mit wbp Landschaftsarchitekten
Otto-Wels-Platz/Kurt-Schumacher-Straße

„Stadt macht Platz – NRW macht Plätze“ war 2003 das Motto eines Landeswettbewerbs, im Zuge dessen der Otto-Wels-Platz symbolisch zu einer Klammer zwischen zwei Hertener Stadtbereichen, der Innenstadt und dem Schlosspark, umgestaltet wurde. Die zweiteilige Bodenplastik der Bochumer Künstlerin Dorothee Bielfeld lässt optisch diese Verbindung, die auf einem Reißverschluss-Motiv basiert, entstehen. Beide Flächen der bodenflügel, von denen der eine auf dem Otto-Wels-Platz und der andere versetzt auf dem gegenüberliegenden Rathausvorplatz installiert wurde, stehen visuell in direktem Zusammenhang. So wird durch das Kunstwerk virtuell die Kurt-Schumacher-Straße überbrückt, welche die Plätze quert und „Stadtachse“ und „Parkachse“ voneinander trennt.

Die rechteckigen, aus schiefen Ebenen bestehenden bodenflügel sind teilweise plastisch ausgebildet, teils verschmelzen sie nahtlos mit dem Platzbelag. Sie bieten Gelegenheit zum Spielen, Sitzen und Überqueren, was von vielen Bürgerinnen und Bürgern täglich praktiziert und von der Künstlerin gewollt ist. Dafür wurden eigens zehn Zentimeter dicke und stark beanspruchbare Platten verbaut.


20. Musikanten

Aufstellung 1992
Josef Krautwald (1914–2003)
zwischen Rathausanbau (Kurt-Schumacher-Straße 2) und Volkshochschule (Resser Weg 1)

Nimmt man zwischen Rathaus und Volkshochschule den Weg zum Schlosspark, begegnet man den Musikanten von Josef Krautwald. Ein Akkordeon spielender Clown, ein Gitarrist und zwei Flötenspieler bilden, in den Anlagen etwas versteckt, eine sockellose Gruppe aus Bronze. Die nur 80 Zentimeter großen Plastiken verbinden die Musik mit der Bildenden Kunst.

Die Musikanten standen zunächst im Garten der Volkshochschule, vor dem Eingang des Rathausnebengebäudes. Dort wiesen sie den Bildungshungrigen den Weg zur Stadtbibliothek, die sich zum Zeitpunkt der Aufstellung dort befand. Nachdem mehrmals Figuren gestohlen worden waren, durfte die Gruppe an einen besser einsehbaren Platz vor dem Rathauseingang vorrücken.


21. Großes Vollblutfohlen

Entstehung 1940/Aufstellung Juni 1957
Renée Sintenis (1888–1965)
Rathaus (Kurt-Schumacher-Straße 2), Foyer im 1. OG 

Die Bildhauerin Renée Sintenis schuf vor allem kleinformatige Tierplastiken, weibliche Aktfiguren und Sportstatuetten. 1940 fertigte sie das Große Vollblutfohlen, das durch eine Schenkung von Karl Schweisfurth im Juni 1957 in Herten aufgestellt werden konnte. Das zierlich tänzelnde Bronzefohlen ist mit seiner Größe von 115 Zentimeter eines der größeren Werke der Künstlerin, die als Nicht-Arierin in der NS-Zeit Ausstellungsverbot erhielt und aus der Akademie der Künste ausgeschlossen wurde.

Das Große Vollblutfohlen, das auf einer kleinen Plinthe steht, wurde in der Nacht vom 12. auf den 13. Juli 2006 abgefräst und entwendet. Glücklicherweise wurde es drei Wochen später auf einem Herner Schrottplatz wiederentdeckt und konnte der Stadt Herten zurückgegeben werden. Da die Diebe das Pferd in drei Teile zerlegt hatten, die zudem beträchtliche Beulen aufwiesen, war eine Restaurierung notwendig. Diese leistete der Bildhauer Heinrich Brockmeier fachgerecht in seiner Recklinghäuser Werkstatt. Bereits im selben Jahr konnte das 60 Kilogramm schwere Große Vollblutfohlen wieder aufgestellt werden. Es ist auf der Plinthe vor dem hinteren rechten Lauf signiert.

Seit August 2015 steht das Fohlen im Foyer im ersten Stockwerk des Rathauses.


22. Der auferstehende Christus

Aufstellung um 1958
Joseph Krautwald (1914-2003)
Fußweg Nonnenkampsteg

Der Auferstehende Christus von Joseph Krautwald ist ein Kruzifix aus Sandstein, das fast nur zu finden ist, wenn man gezielt nach ihm sucht. Im Gebüsch nahezu verborgen steht es am Fußweg Nonnenkampsteg. Die Inschrift „Ich bin die Auferstehung und das Leben“ ist so weit unten angebracht, dass diese sich meist nur dem Suchenden zeigt.

Um 1956/1958 sammelten die damaligen Anwohner des Nonnenkampstegs Geld und stifteten die Skulptur. Heinz Werk, einer von ihnen, präparierte den Aufstellungsort und stellte die Skulptur auf. Der Hertener Joseph Ritter übernahm mit der Bürgerschützengilde eine ehrenamtliche Patenschaft für den Weg. Sie kümmern sich neben dem städtischen Betriebshof regelmäßig um die Grün- und Denkmalpflege.


23. Der Blitz, der den Händler traf

Aufstellung 1997
Leonard Wübbena (*1946)
Kaiserstraße 239-241

Ein weiteres Werk des ostfriesischen Künstlers Leonard Wübbena (s. Nr. 1) befindet sich trotz seiner Größe „versteckt“ zwischen den ausgestellten Gartenhäusern des Toom Marktes. Der Blitz, der den Händler traf wurde von dem Hertener Autohändler Josef Gövert in Auftrag gegeben. Das Objekt besteht aus Autoteilen und wurde 1997 auf dem Gelände seines ehemaligen Autohauses aufgestellt. Die Bezüge zwischen Ausstellungsort, Material und Titel sprechen für sich.


24. Graffiti Fassadengestaltung

Entstehung 2008-2011
Künstlerteam More Than Words

Angefangen hat alles auf dem Marktplatz. Im Auftrag der Hertener Stadtwerke führte das Künstlerteam  More Than Words im Jahre 2008 erstmals eine Fassadengestaltung in Herten aus. Motive aus Hertens Vergangenheit wurden auf die Tiefgaragenaufgänge am Marktplatz professionell gesprayt. Die Graffitis bekamen eine spezielle Versiegelung, so dass ungewollte Übermalung zumindest erschwert wird. Die Motive aus der Hertener Stadtgeschichte sind mittlerweile an vielen bis dahin ungenutzten Flächen zu betrachten: Fassadenwerbung

li. Schützenstr./Ecke Nimrodstr. re. Passage zwischen Blumen- und Hermannstr.

Tiefgaragenabgänge und Toilettenhäuschen am Marktplatz

Marktplatz Herten-Mitte

Trafostationen

An folgendenen Standorten:

  • Am Wittkamp/ Antoniusdenkmal
  • Backumer Straße
  • Blumenstraße
  • Brinkertgasse
  • Eschenweg
  • Feldstraße/Ecke Teichstraße
  • Feldstraße/ Ecke Westerholter Str.
  • Josefstraße
  • Vitusstraße

Gasstationen

An folgendenen Standorten:

  • Bergstraße/Ecke Westerholter Straße
  • Bergstraße/Ecke Langenbochumer Straße
  • Zechenstraße

Zusätzlich haben More Than Words für das St.-Antonius-Haus (Vitusstraße 16) eine Fassade und mehrere Innenflächen gestaltet, und auch der zugehörige Kindergarten hat einen Überseecontainer auf seinem Gelände von der Gruppe herausputzen lassen.


25. Ich lebe/Sankt Barbara

a) Ich lebe

Aufstellung September 1996
Joseph Krautwald (1914-2003)
St.-Barbara-Kirche (Barbara-Kirchplatz 10)

Die überlebensgroßen Skulpturen Ich lebe und Sankt Barbara an der St.-Barbara-Kirche am Paschenberg wurden von dem Bildhauer Joseph Krautwald aus Eifeler Basaltlava gefertigt. Der Sockel des auferstehenden Christus trägt die Inschrift „Ich lebe“. 

Die Figur des Auferstehenden wurde von der 1996 noch eigenständigen Gemeinde zum Zeichen des Totengedenkens aufgestellt, da die nächsten Friedhöfe relativ weit von der Kirche und dem Gemeindezentrum entfernt sind. Eine gravierte Platte neben der Skulptur erinnert an Pfarrer Hormes, den ersten Pfarrer der Gemeinde.

b) Sankt Barbara

Aufstellung Januar 1986
Josef Krautwald (1914-2003)
St.-Barbara-Kirche (Barbara-Kirchplatz 10)

Die heilige Barbara lebte Ende des 3. Jahrhunderts. Der Legende nach war sie außergewöhnlich schön und begehrt, hatte sich aber dem christlichen Glauben verschrieben, weshalb der enttäuschte Vater sie in einen Turm zwang und schließlich enthauptete.

Zu einer Barbara-Darstellung gehört traditionell ein Turm mit drei Fenstern als Symbol der göttlichen Trinität. Im Ruhrgebiet genießt die Heilige besonderes Ansehen. Sie ist die Schutzpatronin der Bergleute. Darauf verweist die Grubenlampe in ihrer Hand.


26. Kreuz

(für die Priestergräber)

Aufstellung 1978
Hugo Hillebrand (1919-2000)
Friedhof Backumer Tal

Auf dem Friedhof im Backumer Tal fällt ein Kreuz besonders auf: Das Kreuz des Essener Bildhauers Hugo Hillebrand ziert hier die Gräber der verstorbenen Gemeindepfarrer (vergl. Nr. 5 und 42). Auf der Vorderseite sind auf dem horizontalen Kreuzesarm drei zentrale Geschehnisse aus dem Leben Christi abgebildet, Geburt, Kreuzigung und Auferstehung. Die Motive werden in der typischen Leserichtung von links nach rechts gezeigt. Auf der Rückseite des Kreuzes ist, ebenfalls auf der horizontalen Achse, eine Inschrift eingearbeitet:

„Ich will Euch Zukunft und Hoffnung geben.“
Jeremia 29.11

Das Kreuz wurde von Pfarrer Brast in Aufrag gegeben und 1978 auf dem Friedhof aufgestellt.


27. Figurengruppe/Über den Berg ziehen

a) Figurengruppe

Aufstellung 2007
SchülerInnen der Rosa-Parks-Schule mit Ernst Barten
Rosa-Parks-Schule (Fritz-Erler-Straße 2)

b) Über den Berg ziehen

Aufstellung Mai 2009
SchülerInnen der Rosa-Parks-Schule mit Ernst Barten
Rosa-Parks-Schule (Fritz-Erler-Straße 2)

Unter dem Arbeitstitel „Kunstwege zur Integration“ entstanden in den Schuljahren 2006/2007 und 2008/2009 an der Rosa-Parks-Schule gemeinsam mit dem Künstler Ernst Barten die Figurengruppe und Über den Berg ziehen. Der Bildhauer aus Rheinberg stellt seine Werke unter anderem aus Eisenfundstücken aus Industrie und Landwirtschaft und achtlos Weggeworfenem her. Er lässt sich von den alten Formen und Strukturen zu neu zusammengefügten Skulpturen inspirieren.

Diese Sicht- und Arbeitsweise, nach der aus Altem Neues entsteht, brachte der Künstler den Schülerinnen und Schülern der Rosa-Parks-Schule nahe. Gemeinsam gab man den Schrottabfällen mit Schweißgerät und Werkzeugen eine neue Form.


28. BilGur

Aufstellung 9. September 2007
Initiative Kunst in der Maschinenhalle
Zeche Scherlebeck (Scherlebecker Straße 260/vor der Maschinenhalle)

Anlässlich des Tags des offenen Denkmals am 9. September 2007 entschloss sich die Initiative Kunst in der Maschinenhalle, eine Skulptur herzustellen, welche die Kunst repräsentiert, die in der Maschinenhalle der ehemaligen Zeche Scherlebeck ihren Platz durch regelmäßige Ausstellungen gefunden hat. Die beteiligten Künstler waren Marlies Burrichter, Verena Kuhlmann, Birgit Lange, Suzy Woelki, Georg Jonietz und Uwe Sevcik. Die zwei Tage währenden Arbeiten wurden von der Hertener Fotografin Birgit Lange in einer Fotodokumentation festgehalten. Der von den Künstlern gewählte Titel BilGur setzt sich aus den Worten „Bild“ und „Figur“ zusammen, da die Skulptur beide Darstellungsformen in sich vereint.

Die Plastik ist circa vier Meter hoch und aus rund 200 Kilogramm Stahl gearbeitet. Der Rahmen der BilGur lässt einen Würfel entstehen, der den Raum zur Anschauung bringt. Die Neigung des Würfels steht für die Erfahrung der Zeit im Raum. Das kunstvoll gestaltete Stahlblatt bildet die Mittelachse und symbolisiert die Malerei.


Mahnmal SAGT NEIN

Aufstellung 11. Januar 2002
SchülerInnen der Martin-Luther-Schule mit Hans-Achim Wagner
Zeche Scherlebeck (Scherlebecker Straße 260)

Im Schuljahr 2001/2002 nahmen Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufen 9 und 10 mit dem Künstler Hans-Achim Wagner an einem Projekt gegen Rechtsextremismus teil. Gemeinsam erarbeiteten sie das Mahnmal SAGT NEIN. Der Titel, der zugleich auch als Aufschrift zu lesen ist, wurde in Anlehnung an das bekannte Gedicht von Wolfgang Borchert gewählt.

Das Mahnmal ruft wie das Gedicht dazu auf, jederzeit zu Krieg, Unterdrückung und Menschenrechtsverletzungen „Nein“ zu sagen. Auch der Aufstellungsort hinter der Maschinenhalle an der ehemaligen Zeche Scherlebeck wurde mit Bedacht gewählt: Zur Zeit des Zweiten Weltkriegs befand sich auf der 1929 stillgelegten Schachtanlage ein Kriegsgefangenenlager. Zwangsarbeiter wurden in Herten zur Arbeit vor allem im Bergbau gezwungen. An die Kriegsgefangenen aus der Sowjetunion, Italien, Jugoslawien und Frankreich erinnert auch der Text der Gedenkplatte.

Die Schülerinnen und Schüler wurden für diese Erinnerungsarbeit im Februar 2003 von der Stiftung für Toleranz und Demokratie ausgezeichnet und nach Berlin ins Schloss Bellevue eingeladen, wo sie von dem damaligen Bundespräsidenten Johannes Rau (1931-2006) geehrt wurden.


30. Scherlebecker Winkel

Aufstellung 6. Mai 1997
Wolfgang Lamché (*1947)
Scherlebecker Straße 266-270

Von dem Bildhauer Wolfgang Lamché sind zahlreiche Kunstwerke im öffentlichen Raum zu sehen. In Herten existiert neben dem Gänsebogen (Nr. 4) ein weiteres Werk: der Scherlebecker Winkel.

Die Plastik aus poliertem, acht Millimeter starkem Edelstahl ragt auf dem Platz zwischen dem Gustav-Adolf-Gemeindezentrum (Gertrudenstraße 2) und dem Einkaufskomplex (Scherlebecker Straße 266-270) hoch empor. Die 3,5 Meter hohe Edelstahlplatte ist gewinkelt und in sich gedreht. Sie gehört in die Serie der so genannten Lichtschwingungen, deren polierte Oberfläche je nach Tageslicht und Betrachterstandort die Skulptur und das sich in ihr spiegelnde Umfeld immer wieder neu erfahren lassen.

Das 400 Kilogramm schwere Werk konnte durch eine Schenkung der Hertener Unternehmungen Schettler aufgestellt werden.


31. Tauben

Aufstellung 1988
Heinrich Brockmeier (*1938)
Richterstraße 5 (vor der Volksbank)

Von vielen unbemerkt, fliegen sie in ungefähr ein Meter Höhe durch die Richterstraße: Die Tauben von Heinrich Brockmeier sind auf zwei von insgesamt sechs Basaltsäulen so befestigt, dass es aussieht, als würden sie in einem Bogen darüber hinweg fliegen. Auf einer weiter hinten positionierten Basaltsäule saß ursprünglich eine weitere Taube, die von Unbekannten abgesägt wurde.

Auch diese Plastik greift, wie zwei weitere Werke in Herten (Mädchen mit Taube – Nr. 9, Taubenbrunnen – Nr. 37), das Motiv der Taube auf. Neben ihrer Bedeutung als Symbol für den Frieden ist die Taube im Ruhrgebiet von besonderem Rang, da sie an die Brieftauben erinnert, die als „Rennpferd der Bergleute“ hier eine lange Tradition haben.


32. Sankt Ludgerus

Aufstellung 9. September 1984
Hermann Kirchhoff (*1934)
St.-Ludgerus-Kirche (An der Kirche 17)

Der heilige Ludger (742–809), auch Ludger von Utrecht, begrüßt in Begleitung einer Gans schon an der Straße die Menschen, die zur St.-Ludgerus-Kirche kommen. Der Tradition folgend, ist er mit großer Mitra, Bischofsstab und Buch ausgestattet.

Die Bronzeplastik des GelsenkirchenerKünstlers Hermann Kirchhoff wurde zum 75-jährigen Jubiläum der Altarweiheaufgestellt. Sie trägt die Inschrift

„*742 †809 St. Ludgerus 1984“.

Der heilige Ludger wurde von Karl d. Gr.als erster Bischof von Münster eingesetzt, er starb in Billerbeck und wurde in der Krypta des von ihm gegründeten Klosters Werden in Essen beigesetzt. Die (Wild-)Gans als Attribut ist Relikt einer Legende, nach der Ludger sein gesamtes Missionsgebiet von der Plage der Wildgänse befreit haben soll. Der mit solchen Details nicht vertraute Betrachter assoziiert mit dem Tier möglicherweise die Tugend der Wachsamkeit, welche die Gans seit dem Altertum verkörpert.

Die Skulptur wird in Kürze wegen anstehender Bauarbeiten umgesetzt.


33. Clemens Kardinal von Gahlen

Foto: Sandsteinskulptur von Josef Krautwald

a) Aufstellung 1962

Joseph Krautwald (1914-2003)
Geschwister-Scholl-Straße/
Graf-von-Gahlen-Straße

b) Aufstellung 1982

Orlando Gaido (*1940)
Kardinal-von-Gahlen-Haus
(Hahnenbergstraße 108)

Clemens August Graf von Gahlen (1878–1946) setzte sich in der Zeit des Nationalsozialismus mit Nachdruck für die Freiheit des Geistes und den Schutz des Lebens ein und bekämpfte in Schreiben und Predigten vor allem die „Euthanasie“-Gesetzgebung. Er war von 1933 bis 1946 Bischof von Münster und wurde im Februar 1946 in Rom zum Kardinal erhoben. Wenige Tage nach seiner Rückkehr nach Münster verstarb er und wurde 2005 seliggesproch

In Herten-Langenbochum gibt es gleich zwei Darstellungen des Kardinals von Gahlen. Die überlebensgroße Sandsteinskulptur (33 a) von Joseph Krautwald wurde von der Wohnungsbaugenossenschaft Ketteler Recklinghausen eG auf ihrem Grundstück aufgestellt, um an den Widerstandskämpfer zu erinnern.

Die zweite Skulptur (33 b) befindet sich nach Umbauarbeiten wieder im Eingangsbereich des Kardinal-von-Gahlen Hauses (Hahnenbergstraße 108). Dieses Haus steht an der Stelle, wo sich gegen Ende des Zweiten Weltkriegs ein Lager für russische Kriegsgefangene befand, die besonders unwürdig untergebracht waren. Später wurde auf dem Grundstück ein Lehrlingsheim erbaut. Das jetzige Haus, das zur Kirchengemeinde St. Maria Heimsuchung gehört, ist auch als Zeichen der Wiedergutmachung zu verstehen. An der Stelle, wo einst das Leben mit Füßen getreten wurde, wird nun dem Leben gedient und Gutes getan.

Die lebensgroße Skulptur aus Anröchter Dolomit lässt Bewohner wie Besucher des mutigen Verfechters der Menschenwürde gedenken. Der argentinische Bildhauer Orlando Gaido schuf die Skulptur1982, während er Aushilfskaplan und Seelsorger der Pfarrei St. Maria Heimsuchung war.


34. Kreuzigungsgruppe

Einweihung 20. Oktober 1912
Meinradus
Kommunalfriedhof Polsumer/Backumer Straße

Eine ganz besondere Kreuzigungsgruppe ist auf dem Kommunalfriedhof zu sehen: Aus weißem oberbayrischem Sandstein sind Maria, Johannes und der an das Kreuz geschlagene Jesus ausgeformt. Dargestellt ist der Moment in dem Jesus seine Mutter in die Obhut seines Lieblingsjüngers übergibt.

Die Darstellung gemahnt an die Verantwortlichkeit der Menschen füreinander. Die Kreuzigungsgruppe fungiert seit dem 29. April 2005 als Grabmal für Priester und Ordensschweste

Geschaffen wurde die Kreuzigungsgruppe von dem Düsseldorfer Bildhauer Siegfried Meinardus als Teil des Hochaltars für die Kirche St. Josef (heute St. Maria Heimsuchung) in Langenbochum. Bei den Umbauarbeiten 1976 wurde sie abgebaut und auf dem Hof Wessels eingelagert. Nach den Umbauten fand nur der Torso des Gekreuzigten einen Platz in einer Seitennische der Kirche und wurde als „Jesus ohne Arme“ wenig beachtet. Schließlich konnte durch eine Initiative die Gruppe von dem Restaurator Thomas Lehmkuhl teilrenoviert werden. Einzig das Sockelfundament, auf dem die Gedenktafeln der Ordensfrauen der heiligen Maria Magdalena Postel angebracht sind, ist neu. Vor der Kreuzigungsgruppe befinden sich sechs Grabstellen für Pfarrer und Ordensschwestern.


35. Windspiel/Betonkugel

a) Windspiel

seit 31. Mai 2011
Franz Brinkmann (1915-1989)
Kreisverkehr Langenbochum

b) Betonkugeln

Neuaufstellung 2011
Richterstraße 11

Sein Kunstwerk Windspiel schuf Franz Brinkmann 1973 im Rahmen eines Wettbewerbs für Innenstadtgestaltung. An seinem ehemaligen Standort in der Hermannstraße gegenüber des Glashauses (Hermannstraße 16) lud es täglich vor allem die Kleinsten zum Spielen ein. Zwei sich drehende Betonkugeln boten den Rahmen für das eigentliche Windspiel aus Aluminium, das hoch auf einem Sockel thronte und selbst eine bewegliche Kugel enthält.

Im Zuge der Innenstadtumgestaltung musste das Windspiel mit den Betonkugeln weichen. Die Kugeln bieten sich seitdem in der Richterstraße in Scherlebeck zum Bespielen an.

Seit Ende Mai 2011 dreht sich auch das Windspiel wieder, wenngleich auf deutlich niedrigerem Sockel. Es wurde auf dem Kreisverkehr in Langenbochum (Schlägel-und-Eisen-Straße/Mühlenstraße) aufgestellt.

Franz Brinkmann setzte die 120-jährige Familientradition fort und begann um 1930 eine Steinmetzlehre. 1951 machte er sich als Steinmetz und Künstler in Herten selbständig. Schwerpunkt seiner Arbeit waren Friedhofs- und Grabmalgestaltungen sowie Kriegsdenkmäler. Nach dem gewonnenen Wettbewerb in Herten erhielt er über 100 Folgeaufträge für die drehbaren Kugeln.


36. Taubenbrunnen

Aufstellung 11. April 1983
Reiner Friedrich (*1940)
Bezirksverwaltungsstelle (Altes Rathaus Westerholt)

Vor dem alten Rathaus in Westerholt schwingt sich ein Taubenschwarm bis hoch über die Betrachter in die Luft. Einzig eine Taube steht noch auf einem Stein im Brunnen. Doch hat auch sie bereits die Flügel für den Abflug ausgebreitet.

Der Taubenbrunnen von Reiner Friedrich vereint das schwere Material Kupferbronze – das Werk ist ungefähr 2,5 Tonnen schwer – mit der Leichtigkeit der aufflatternden Tauben.

Inmitten eines rechteckigen Brunnenbeckens, das mit einigen großen Steinen gefüllt ist, befindet sich ein Gestänge, das an einen Baum erinnert, dessen Äste und Zweige die Tauben tragen. Die Aufwärtsbewegung wird durch den Gegensatz des Wasserspiels verstärkt, da das Wasser zwischen den Tauben aus dem Gestänge scheinbar unkontrolliert zurück in das Becken rieselt.

Der Taubenbrunnen ist wie zwei weitere Werke in Herten-Mitte (Mädchen mit Taube – Nr. 9) und Scherlebeck (Tauben – Nr. 31) der Taube gewidmet.


37. Sankt Martin

Aufstellung 1990
Joseph Krautwald (1914-2003)
Schlossstraße, Herten-Westerholt

Der heilige Martin ist der Schutzpatron der Westerholter Kirchengemeinde. Und so lassen sich, vor allem im Alten Dorf Westerholt, zahlreiche Sankt-Martins-Darstellungen finden. Die Geschichte des Heiligen ist vielen durch die jährlichen Martinsumzüge am 11. November bekannt.

Martin von Tours (316/317–397) war 334 als Soldat der Reiterei in Amiens/Frankreich stationiert, wo er an einem kalten Tag seine berühmte Wohltat vollbrachte. Am Stadttor von Amiens trifft Martin einen armen, fast unbekleideten Mann. Aus Barmherzigkeit teilt er ohne zu zögern seinen Mantel mit dem Schwert und gibt die Hälfte dem Mann. In der folgenden Nacht erscheint ihm dankend Jesus mit dem Mantel. Martin verlässt daraufhin das Militär, lässt sich taufen und lebt als Einsiedler, bis er in Tours/Frankreich das erste Kloster Marmoutir gründet.

Oftmals wird der heilige Martin von einer Gans begleitet. Der Legende nach verrieten Gänse sein Versteck, als er sich 371 aus Bescheidenheit der Wahl zum Bischof entziehen wollte.

Die überlebensgroße und drei Tonnen schwere Skulptur aus Basaltlava wurde 1990 von Joseph Krautwald gefertigt. Die Aufstellung ist der Spende des Westerholter Fabrikanten Werner Ketteler zu verdanken. Joseph Krautwald hat für seinen Sankt Martin den Darstellungsmoment gewählt, in dem er mit erhobenem Schwert seinen Mantel teilt, um ihn dann dem Knienden zu reichen, der ihm erwartungsvoll seine Hände entgegenstreckt.

In den Sockel, auf dem sich die Figuren befinden, ist die Inschrift „St. Martin: wer gibt, empfängt“ eingearbeitet.

Weitere Martinsdarstellungen in Westerholt sind: Sankt Martin über dem Eingangsportal der St.-Martinus-Kirche (Ostwall), Sankt Martin an der Martinischule (Zur Baut 8) und Sankt Martin am Haus Sankt Martin (Johanniterstraße 3).


38. Marienbrunnen

Aufstellung 25. März 1983
Joseph Krautwald (1914-2003)
Markplatz Westerholt/Turmstraße/Ostwall

In Westerholt häufen sich nicht nur die Martinsdarstellungen, sondern auch die Werke des bereits mehrfach erwähnten Künstlers Joseph Krautwald. Eine weitere Arbeit ist der Marienbrunnen auf dem Marktplatz. Die viereckige Brunnensäule lässt das Wasser aus etwa sechs Metern Höhe in die darunter liegende Mulde plätschern.

Der Marienbrunnen konnte zu 50 Prozent aus einer Spende der katholischen Kirchengemeinde Herten-Westerholt finanziert werden. Somit erklärt sich auch, warum Motive der Westerholter Geschichte auf der Brunnensäule zu erkennen sind. Die Motive wurden gemeinsam mit Westerholter Bürgern ausgewählt; unter ihnen befinden sich Spinnerin und Löwe, Hexenänneken und Dorfbrand, Herold und Kiepenkerl. Den oberen Abschluss bildet eine Marienfigur. Der Marienbrunnen ist formal an den Brunnen Rheine lebt in der Heimatstadt des Künstlers angelehnt.


39. Bronzetüren der St.-Martinus-Kirche

Aufstellung 1980/1981
Joseph Krautwald (1914-2003)
St. Martinus (Ostwall)

Kunst an und in Kirchen ist ein gesondertes Thema und nicht Schwerpunkt dieses Wegweisers. Da Werke des Künstlers Joseph Krautwald jedoch an mehr als zehn weiteren Stellen in Herten zu betrachten sind, sollen die Bronzetüren der Westerholter Kirche Sankt Martinus nicht unerwähnt bleiben.

Das Westportal war das erste, welches 1980 eine neue, gestiftete Bronzetür erhielt. Auf den Türflügeln ist mehrfach das Thema „teilen“ dargestellt, das durch die eingearbeiteten Worte zusätzlich verdeutlicht wird:

„und sie erkannten ihn am Brotbrechen –
TEILEN
mitteilen – austeilen – teilhaben –
Anteil nehmen“

Die Bronzetüren der nordwestlichen Eingänge wurden ein Jahr später, 1981, ebenfalls von Joseph Krautwald geschaffen. Die vordere Tür zeigt neutestamentliche Szenen: die Brotvermehrung, Jesus als Lehrer, Segnung der Kinder und Tempelaustreibung. Die hintere Tür ist dem „Volk Gottes unterwegs zum Licht“ gewidmet; zu den Pilgern zählt auch der inzwischen seliggesprochene Papst Johannes Paul II. (1920-2005), der sich 1981 noch am Anfang seines Pontifikats befand.


40. Graf-Egon-Statue

Aufstellung 2000
Heinrich Hennigfeld
am Westerholter Schloss

Leicht gebückt, mit Hut und Regenschirm auf dem täglichen Spaziergang: So kannten die Westerholter ihren Grafen. Reichsgraf Egon von und zu Westerholt und Gysenberg (1910-2002), umtriebiger Initiator von Löwenpark und Golfanlagen, genoss hohes Ansehen bei den Westerholter Bürgern.

Deshalb widmeten Schützengilde und Werbegemeinschaft „ihrem“ Grafen zum 90. Geburtstag das bronzene Konterfei; ihm gegenüber befindet sich eine antike Sonnenuhr, Geschenk der Verwandten und Freunde zu demselben Anlass.


41. Maria mit Kind

Joseph Krautwald (1914-2003)
in der Baut, Fußweg am Golfplatz

Tief im Nordwesten Hertens, in dem Waldgebiet der Baut, das an das Schloss Westerholt und den Golfplatz grenzt, lässt sich gegenüber der „Witten Porte“ das kleine Andachtsbild Maria mit Kind finden. Die Stele stand ursprünglich auf dem Gelände des Hofs Wessing und erhielt nach gräflicher Unterstützung ihren neuen Standort.


42. Christus-Stele

(für die Priestergräber)

Aufstellung Oktober 1971
Joseph Krautwald (1914-2003)
Westerholter Friedhof, Haupteingang

Wie auf dem Hertener Alten Friedhof (Nr. 5) und dem Friedhof im Backumer Tal (Nr. 26) sind auch auf der Westerholter Anlage die Priestergräber besonders akzentuiert: In diesem Fall handelt es sich um eine hohe Stele aus Sandstein, die in ihrer vertikalen Erstreckung von unten nach oben zu lesen ist. Joseph Krautwald hat Christus dreifach dargestellt: als den Gekreuzigten, als Auferstandenen und als Weltenrichter. Die Verse des eingeschriebenen Bekenntnisses markieren die jeweilige Abbildung:

„Deinen Tod, o Herr, verkünden wir,
deine Auferstehung preisen wir,
bis du kommst in Herrlichkeit.“


43. Boonpötterin

Aufstellung 20. November 1986
Joseph Krautwald (1914-2003)
Goethestraße/Einmündung Johanniterstraße

Bei der weiblichen Figur aus Bronze, die gebückt der Ernte nachgeht, handelt es sich um die überlebensgroße Boonpötterin von Joseph Krautwald. An der rückwärtigen Einfassungsmauer ist eine Inschrifttafel mit folgendem Text angebracht:

„Die Boonpötterin, das plattdeutsche
Wort für Bohnenpflanzerin. Es war in früheren
Zeiten die Bezeichnung der umliegenden
Gemeinden für die Westerholter,
wohl weil sie in harter Feld- und Gartenarbeit
dicke Bohnen anbauten. Die Skulptur
erinnert den Betrachter, die Natur und
die Überlieferung zu achten. Von privater
Hand der Stadt gestiftet wurde die Figur
erschaffen von Josef Krautwald, Rheine
und am 20. November 1986 der Öffentlichkeit
übergeben.“

Die Bezeichnung Boonpötterin war eigentlich eine durchaus negativ und spöttisch gemeinte Bezeichnung, die Figur repräsentiert hingegen, positiv und ernsthaft zugleich, die heimatlichdörfliche Tradition.

Stifter der Figur war Werner Ketteler, dem ebenfalls die Figur des Sankt Martin am nahe gelegenen Haus Sankt Martin (Johanniterstraße 3) und der Sankt Martin von Josef Krautwald (Nr. 38) zu verdanken sind.


44. Weltkugel/Das gehende Kreuz

Idee und Ausführung 1980/81 (Gründonnerstag übergeben)
Entwurf: Pfarrer Burkhard Zeunert/Ausführung: Rainer Friedrich
Christuskirche Westerholt (Bahnhofstraße 150)

Der ehemalige Pfarrer der Ev. Kirchengemeinde Westerholt Burkhard Zeunert gab 1980 zwei Kunstwerke in Auftrag, die vom Westerholter Kunstschmied Reiner Friedrich realisiert wurden.

Für das erste Werk, die Weltkugel, ließ er vor der Ausführung Kriegsspielzeuge der benachbarten Kinder einsammeln und unter der Kugel vergraben. Die Weltkugel ruft dazu auf, der einen Welt zu gedenken und auf Krieg zu verzichten.

Das zweite Werk, Das gehende Kreuz oder Der Auferstandene – am Gehen gehindert, beschäftigt sich mit typischen Themen der siebziger Jahre: Ökumene, Atomkraft und gesellschaftliche Verantwortung. Zu sehen ist ein Kreuz mit stark abstrahierten Beinen, die in ihrem Bewegungsdrang gehemmt werden. Auf dem linken Kreuzesarm sind Figuren auf dem Weg in Richtung eines KZ-Torbogens mit der Aufschrift „Arbeit macht frei“ wahrzunehmen. Weiter rechts balanciert zwischen den Türmen einer christlichen Kirche ein Seiltänzer zum Zeichen einer sensibel zu gestaltenden Ökumene. Davor appelliert eine Synagoge an den christlich-jüdischen Dialog. Auf dem rechten Arm ist ein Kernkraftwerk neben einer Zeche angeordnet. In ein über das Kraftwerk gespanntes Netz scheinen Menschen zu fallen.

In der Kreuzmitte vertritt ein türkisfarbener Bleikristall mit aufgesetzter Dornenkrone den gekreuzigten Jesus. Das aus Metall gefertigte Kreuz ist gegenüber den figurativen Elementen deutlich massiver gestaltet und dient als Hinweis auf die Hinfälligkeit und Vergänglichkeit menschlichen Strebens.


45. Kumpel

Aufstellung 1989
Uschi Klaas (*1949)
Wallstraße/Einmündung Egerstraße

Wie viele Werke in Herten sind auch die Kumpel in Anlehnung an Hertens Bergbaugeschichte entstanden. Zwei Bergmänner sind einander zugewandt: Der eine sitzt auf einer Gezähekiste, der Werkzeugkiste der Bergleute, hat den Helm abgelegt und verzehrt sein „Bütterken“. Ein zweiter Bergmann, der durch seine Kleidung und den Helm mit der Grubenlampe unschwer zu identifizieren ist, steht ihm gegenüber. Er macht ebenfalls Pause und nimmt eine Prise Schnupftabak zu sich.

Die überlebensgroßen Bronzefiguren wurden von der Recklinghäuser Künstlerin Uschi Klaas geschaffen. Sie teilt sich seit 1987 mit ihrem Ehemann Heinrich Brockmeier, der mit zahlreichen Werken in Herten vertreten ist (siehe Nr. 10/11/16/18/32), ein Atelier.

Die etwa 650 Kilogramm schweren Bronzeplastiken zieren seit 1989 den Bertlicher Anger.


Kreuze

In Hertens Stadtgebiet gibt es neben den Kreuzen in und an Kirchen sowie Friedhöfen zahlreiche Weg- und Hofkreuze. Sie wurden meist von Bürgern aufgestellt, um in ihrer unmittelbaren Nähe für sich und andere ein Zeichen der Andacht zu setzen. Häufig sind sie mit teils sehr persönlichen Gebeten ausgestattet.

Ein Beispiel dafür ist das Wegkreuz an der Backumer Straße (außerhalb des Kommunalfriedhofs), das vor 1923 entstanden ist. Es wurde von Heinrich Timmers errichtet als seine Frau schwer krank war. Es zeigt die Inschrift:

„Trag gern dein Kreuz, so trägt es Dich
Zur ewgen Heimat sicherlich.
Doch wirfst du´s ab, so glaube mir,
Ein schweres neues nahet Dir! “

Ihre Ansprechperson

Sylvia Seelert
Telefon: 0 23 66 / 303 543
Gebäude: VHS-Gebäude
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