Ein Jahr Bürgermeister – und irgendwie fühlt es sich mehr an.
Ankommen und Verantwortung übernehmen
1. November 2025 bis 31. Oktober 2026
Ein Jahr bin ich jetzt wieder Bürgermeister von Herten. Und wie gewohnt ehrlich: Langweilig war es ganz sicher nicht!
Rund 283 Arbeitstage, also 2.264 offizielle Arbeitsstunden – ausgegangen von einer „normalen Arbeitswoche und einem Achtstundentag“. Also in Wirklichkeit weit über 3.000 Stunden, denn Bürgermeister so wie ich es lebe, ist man immer.
Jeder Tag voller Termine, mit Gesprächen, Entscheidungen und Begegnungen liegen hinter mir. Viele davon im Rathaus, viele direkt bei den Menschen vor Ort – und längst nicht alle zwischen Montag und Freitag.
Ich möchte Sie und euch mitnehmen auf einen Rückblick durch mein erstes Amtsjahr: Was haben wir angepackt, was haben wir erreicht und was ist mir besonders in Erinnerung geblieben?
Am 1. November 2025 habe ich zum zweiten Mal die Tür zu meinem Büro in der ersten Etage als Bürgermeister der Stadt Herten aufgeschlossen. Fünf Jahre waren seit meiner ersten Amtszeit vergangen. Fünf Jahre Ratsarbeit auf der anderen Tischseite.
Diesmal war vieles vertraut – und gleichzeitig vieles anders. Der Schreibtisch war noch ein Erbe von mindestens drei Vorgängern. Ich brauche in meinem Umfeld weniger Ablagen, dafür aber mehr Menschen, Farbe und Kunst.
Denn natürlich weiß man nach einer ersten Amtszeit ungefähr, was einen erwartet. Man weiß, wie Verwaltung funktioniert, wie Ratssitzungen laufen, wie viele Termine in einen Tag passen und dass „Ich bin nur mal kurz im Rathaus“ ein ziemlich dehnbarer Begriff sein kann.
Aber eines merkt man trotzdem ziemlich schnell: Bürgermeister zu sein, ist kein Job, den man irgendwann einfach „fertig“ hat. Es gibt keinen Feierabend oder Wochenende. Bürgermeister ist man rund um die Uhr, mit allem, was dazu gehört. Es ist Berufung und man muss für die Stadt, an deren Spitze man steht, brennen.
Ich bin Bürgermeister geworden mit dem Ziel, Herten attraktiver, zukunftsfähiger und lebenswerter zu machen.
Die ersten 100 Tage: Verwaltung neu ausrichten
Noch bevor ich meinen ersten Arbeitstag im Rathaus antrat, hatte ich im Vorfeld vieles umstrukturiert und auf meine Arbeit und Ziele ausgerichtet. Ich konnte also mit einer starken Mannschaft im Dezernat 1 und dem Bürgermeisteramt nicht nur starten, sondern im ersten Jahr erleben, was Vertrauen, Loyalität und gemeinsames Handeln bedeutet. Es steht für Erfolg und macht echt Bock auf mehr.
Schon in den ersten 100 Tagen standen deshalb die Themen Verwaltung und deren Organisation, Finanzen, Ordnung und Sicherheit sowie die Stärkung der örtlichen Wirtschaft im Fokus.
Wir haben uns angeschaut, wie die Verwaltung aufgestellt ist, wo wir besser werden müssen und wo wir Dinge anders organisieren können. Gleichzeitig ging es darum, Herten wirtschaftlich weiterzuentwickeln und bei den Finanzen transparenter zu werden.
Es sollte sich in Zukunft noch mehr als angenommen bewahrheiten, dass nur konsequentes Handeln und finanziell zukunftsorientierte Entscheidungen diese Stadt am Laufen halten können. Schwierig genug.
Das klingt auf dem Papier ziemlich langweilig und technisch.
Im Alltag bedeutet es aber etwas sehr Einfaches: Eine Stadtverwaltung muss funktionieren und handlungsfähig sein. Sie muss für die Menschen da sein. Sie muss Entscheidungen erklären können und sie muss auch den Mut haben, Dinge zu verändern, wenn sie nicht mehr funktionieren.
Und das habe ich an vielen Stellen mit großartigen Mitarbeitenden, den Führungskräften und dem Verwaltungsvorstand geschafft. Die Fakten sprechen genau diese Sprache. Auch wenn aktuelle Veränderungen gerade einen weiteren Neustart verlangen, werde ich diesen eng begleiten.
Verwaltung verändern und nachhaltig Kosten sparen
Im Fokus vieler Gespräche stand zuvor die Neuorganisation und Umorganisation der Verwaltung. Die Zahlen zeigen, dass wir im ersten Amtsjahr nicht nur über Veränderungen in der Verwaltung gesprochen, sondern auch konkrete strukturelle Einsparungen erreicht haben.
Durch bereits umgesetzte Maßnahmen, zum Beispiel, dass ich mit dem eigenen Fahrzeug selbst zu Terminen fahre und keinen Fahrer benötige. Aber auch Amtsleitungen zusammengelegt oder reduziert wurden und die Leitungsebenen sich entsprechend verbreitert haben, spart dies am langen Ende Personalkosten.
Allein hier ergibt sich ein aktuelles Einsparvolumen von rund 185.000 Euro in meinem ersten Amtsjahr.
Auf fünf Amtsjahre gesehen wären dies rund 925.000 Euro.
Da ich auch die Fahrzeugkosten sowie das Tanken und Hotelkosten, wo ich es für angebracht halte, gerade bei Fahrten zum Beispiel in Partnerstädte oder zu Außenterminen über Nacht selbst bezahle - macht es die erste Million Euro Einsparung schnell komplett.
Hinzu kommt die fortschreitende Digitalisierung, insbesondere durch die E-Akte, die Arbeitsabläufe vereinfachen und Zeit sparen kann.
Hochgerechnet spart man dadurch pro Verwaltungsmitarbeitenden rund 2000 Euro im Jahr. Was sich in den kommenden fünf Amtsjahren schnell auf 500.000 Euro und mehr summiert.
Auch künftige, sowie wie bereits geplante Ämterzusammenlegungen böten weitere Ansatzpunkte und hätten bei Einsparung einer Beigeordnetenstelle die nächste Million Euro schnell verantwortet. Hier hat sich Politik zurzeit für einen anderen Weg entschieden. Für mich verändern sich dadurch lediglich Rahmenbedingungen, nicht aber meine Zielsetzung.
Ein weiterer nicht zu unterschätzender Punkt waren Kosteneinsparungen durch Veränderung – also Geld nicht ausgeben, wenn sich andere Lösungen nach den Prinzipien der Sparsamkeit, Wirtschaftlichkeit und Reduktion anbieten.
Hier sei nur ein Beispiel genannt – die Planungsänderung zur Kita Distelpink von zwei Etagen auf eine ebenerdige Bauweise – Einsparung inklusive fortlaufender Kostenreduktion von ca. 750.000 bis 1 Million Euro.
Auch hier ließen sich weitere Einsparungen durch Entscheidungen aufzeigen.
Finanzen: Konsolidierung und Perspektiven für Herten
Ein Blick auf unsere Finanzen ist für mich untrennbar mit meiner Grundeinstellung zu Wirtschaftlichkeit und Sparsamkeit verbunden. Um den Gedanken der Nachhaltigkeit konsequent einzubinden, gehört für mich eine weitsichtige und kontinuierliche Zukunftsplanung dazu.
Ja, die Stadt Herten ist hoch verschuldet – hat es jedoch einmal mehr geschafft, dieser Entwicklung entgegenzuwirken. Die wichtigsten Kennzahlen (rote Linie in der Grafik) zeigen zum Stichtag 31.10.2026 wieder in die richtige Richtung.
Die Grafik verdeutlicht anschaulich, dass es in den letzten 20 Jahren nur im Zeitraum von 2016 bis 2020 gelang, städtische Schulden abzubauen. Seit November 2025 knüpfe ich genau an diese Entwicklung an.
Die Grundlage hierfür bilden der Schuldenabbau von knapp 70 Millionen € zwischen 2016 und 2020 sowie die Altschuldenentlastung durch das Land NRW in Höhe von 151 Millionen € im Jahr 2026.
Während die Stadt Herten im Jahr 2016 den Höchststand ihrer Liquiditätsschulden mit über 300 Millionen € noch überschritten hatte, beliefen sich diese im November 2026 „nur noch“ auf 138 Millionen €.
Unser gemeinsames Ziel muss es sein, die Belastungen für Bürgerinnen und Bürger sowie für Unternehmen – zur Schaffung und Sicherung von Arbeitsplätzen – zu senken.
Daher ist es unser erklärtes Ziel, die Grundsteuer B und die Gewerbesteuer schrittweise zu reduzieren, um die Lebenshaltungskosten der Menschen spürbar zu verbessern und die Unternehmen vor Ort nachhaltig zu stärken.
Wichtig ist mir auch, bewusst zu machen, wie sich Einnahmesteigerungen für unser gesellschaftliches Leben in Herten gestalten.
So ist die Gewerbesteuer eine der bedeutendsten Einnahmequellen, um das tägliche Leben für alle in Herten Lebenden zu finanzieren. Dank jahrelanger enger Betreuung aller Gewerbesteuerzahler in Herten und da wo möglich im Besonderen, konnten stetige Verbesserungen erreicht werden.
Auch hier arbeite ich weiter daran, die Rahmenbedingungen und Infrastruktur zu verbessern, was am Ende auch zu einer breiten Entlastung aller Bürgerinnen und Bürger führen wird.
Der Weg ist nicht einfach für eine immer noch hochverschuldete Kommune, wir sind vor einem Jahr losgelaufen und müssen diesen aus meiner Sicht weitergehen.
Am 11. November werden wir den Haushalt 2027 in den Rat der Stadt Herten einbringen. Die negative Stimmung in den Kreisstädten und den Ruhrgebietsstädten um uns herum können wir täglich der Presse entnehmen.
Für Herten könnte dieser Haushalt aber bedeuten, aus der bilanziellen Überschuldung herauszukommen und somit einem HSK (Haushaltssicherungskonzept) längerfristig zu entgehen, damit einen genehmigungsfähigen Haushalt sowie eine auskömmliche Planung bis 2037 dem Rat zur Entscheidung vorzulegen.
Natürlich mit dem Wissen, dass äußerliche Einwirkungen für uns immer ein Risiko darstellen.
Ordnung und Sauberkeit: Konkrete Verbesserungen vor Ort
Im Bereich Ordnung und Sauberkeit war mir wichtig, die Anliegen der Menschen vor Ort ernst zu nehmen und konkrete Verbesserungen anzustoßen.
Ein Beispiel dafür ist die Situation rund um das Lkw-Parken in Herten-Süd, die wir im Frühjahr 2026 angegangen sind. Dort hatten sowohl Unternehmen als auch Anwohnerinnen und Anwohner mit der zunehmenden Vermüllung ihres Umfelds zu kämpfen. Straßen waren zugeparkt, teilweise erste Schäden an Straßen und Grünstreifen sichtbar.
Gemeinsam mit den zuständigen Stellen haben wir die Situation in den Blick genommen, Kontrollen durchgeführt und Maßnahmen ergriffen.
Und das hat Wirkung gezeigt: Die Situation vor Ort hat sich verbessert. Das ist ein wichtiger Schritt, denn unsere Stadt soll sauber und lebenswert bleiben – für alle, die hier wohnen und arbeiten.
Durch auf den Weg gebrachte Umbaumaßnahmen lässt sich diese Situation verstetigen.
Arbeit im Rathaus: Zahlen, Termine und Entscheidungen
Das erste Amtsjahr lässt sich zahlentechnisch so zusammenfassen: 195 Bürorunden, 40 Sitzungen des Verwaltungsvorstandes, 10 große Verwaltungsvorstände, mehr als 10 Amtsleiterrunden, 5 Aufsichtsratssitzungen von Hertener Stadtwerke und von PROSOZ, einige Sitzungen des Verwaltungsrates der Sparkasse Vest und zahlreiche Konferenzen und Klausurtagungen der Hauptverwaltungsbeamten im Kreis Recklinghausen, viele Antrittsbesuche von mir bei Unternehmen und Vereinen, aber auch Gäste, die ich im Rathaus begrüßen durfte.
Auch hier konnte ich durch aktive Zuarbeit und Entscheidungen auf Gesellschafterebene zu Mehrwerten für die Gesellschaften als solche, sowie nachfolgend für die Stadtgesellschaft Positives beisteuern.
Nah bei den Menschen: „Mensch Bürgermeister – jetzt ma Tacheles!“
Vor allem aber ging es im ersten Amtsjahr um Menschen. Um Menschen, die etwas bewegen wollen, die sich Sorgen machen, die Kritik haben, Ideen mitbringen oder einfach mal sagen wollen, was sie von ihrer Stadt halten.
Und genau deshalb war mir von Anfang an wichtig, nicht nur im Rathaus zu sitzen und auf Vorgänge zu warten. Ich wollte raus. Zu den Unternehmen, in die Stadtteile, zu Vereinen, zu Veranstaltungen und vor allem zu den Menschen.
Dabei habe ich in diesem Jahr auch gemerkt, wie wichtig der direkte Austausch mit den Bürgerinnen und Bürgern ist.
7 offene Bürgermeistersprechstunden mit 14 Stunden Zeit zum Austausch.
Mit „Mensch Bürgermeister – jetzt ma Tacheles!“ habe ich deshalb ganz bewusst ein Format geschaffen, bei dem ich nicht hinter meinem Schreibtisch sitze, sondern dorthin komme, wo die Menschen unterwegs sind. Auf dem Markt, auf Zeche Ewald, in den Stadtteilen oder an anderen Orten in unserer Stadt.
Da bekommt man manchmal innerhalb von zehn Minuten drei völlig unterschiedliche Meinungen zu hören. Und genau das ist gut so.
Manche Gespräche sind kurz. Manche dauern länger. Manche Themen kann man sofort klären, andere nehmen wir mit zur Klärung ins Rathaus.
Aber ich nehme aus diesen Begegnungen vor allem eines mit: Menschen wollen ernst genommen werden. Und sie wollen wissen, warum etwas funktioniert – oder eben nicht.
Innenstadtentwicklung: Hertener Höfe, Sicherheit und Aufenthaltsqualität
Das gilt übrigens auch für unsere Innenstadt. Die Hertener Höfe sind ein wichtiges Projekt für die Zukunft unserer Innenstadt. Ich habe immer gesagt, dass wir neue Angebote und Investitionen brauchen, um die Innenstadt attraktiver zu machen und mehr Menschen in die Stadtmitte zu bringen.
Ein privater Investor - (und halt nicht die Stadt) - hat trotz aller Herausforderungen an den Hertener Höfen festgehalten und das Projekt mit viel eigenem Geld Wirklichkeit werden lassen.
Am 16. April 2026 konnten wir die offizielle Eröffnung feiern – wenn auch leise - ein wichtiger Moment für Herten.
Jetzt sind die Hertener Höfe da, und wir als Stadt tragen auch Verantwortung dafür, dass sie sich entwickeln können. Wir sollten diesen Standort nicht aufgeben, sondern ihn aktiv unterstützen und als Teil unserer Innenstadt weiterdenken.
Denn eine lebendige Innenstadt entsteht nicht von allein. Sie braucht gute Angebote, Engagement und den gemeinsamen Willen, etwas daraus zu machen. Diesen Weg sollten wir als Stadt mitgehen.
Eines muss auch gesagt werden, die Alternative war und ist eine Ruine mitten in der Innenstadt. Das kann nicht unser Ziel sein.
Aber Innenstadtentwicklung besteht eben nicht nur aus einem einzelnen Bauprojekt. Es geht um Aufenthaltsqualität, Handel, Gastronomie, Sicherheit, Sauberkeit, Kultur, Wohnen und darum, warum Menschen überhaupt in die Innenstadt kommen sollen.
Eine Innenstadt muss ein Ort sein, an dem Menschen sich gerne aufhalten und sich sicher fühlen. Dazu gehört auch sichtbare Präsenz.
Deshalb habe ich mich dafür eingesetzt, den Kommunalen Ordnungsdienst und die Verwaltung näher zu den Menschen zu bringen.
Nicht, weil wir überall Probleme sehen wollen, sondern weil öffentliche Räume nur dann funktionieren, wenn sich Menschen dort sicher fühlen und Regeln auch tatsächlich durchgesetzt werden.
Meine Idee einer Antoniuswache wurde kürzlich vom Rat abgelehnt. Das ändert für mich aber nichts an der eigentlichen Aufgabe.
Wir müssen weiterhin daran arbeiten, in der Innenstadt präsent zu sein, ansprechbar zu bleiben und für Ordnung und Sicherheit zu sorgen.
Über den konkreten Weg lässt sich diskutieren – das Ziel sollten wir dabei aber nicht aus den Augen verlieren.
Ich werde mich deshalb weiter dafür einsetzen, dass wir hier eine tragfähige Lösung finden.
Auch das Glashaus mit allen dazugehörigen Bausteinen und Einrichtungen müssen wir neu denken und zukunftsfähig machen. Dazu gab es erste Beratungen, die ich eng begleitet habe, die aber weitergehen. Auch da muss eine schnelle und tragfähige Lösung her, damit die Innenstadt durch Angebote und Frequenz gestärkt wird.
Wirtschaft stärken und Arbeitsplätze sichern
Auch wirtschaftlich war dieses erste Amtsjahr sehr intensiv.
Ich habe viele Unternehmen besucht, Gespräche geführt und erlebt, wie unterschiedlich die Herausforderungen vor Ort sind. Vom Handwerksbetrieb zum Lebensmittel- und Technologieunternehmen.
Gerade die Gespräche mit Unternehmerinnen und Unternehmern sind für mich und Herten wichtig, weil man dabei sehr schnell merkt, wo Verwaltung unterstützen kann – und wo sie sich vielleicht auch selbst im Weg steht.
Dafür gibt es einige gute Beispiele in Herten, die sich seit Gründung zu international tätigen Unternehmen entwickelt haben. Diese gilt es nicht nur zu fördern und zu halten, sondern ihnen Entwicklungsmöglichkeiten geben zu können, die den Wirtschaftsstandort und damit Arbeitsmarkt in Herten insgesamt stärken.
Leider haben diese Ziele für den Vollsortimenter in Langenbochum/Scherlebeck nicht ausgereicht, Politik zu überzeugen.
Und auch bei „Wirtschaft in Kontakt“ auf Zeche Ewald wurde deutlich, wie wichtig Vernetzung ist.
Wirtschaftsförderung bedeutet für mich eben nicht, gelegentlich eine Broschüre zu verschicken. Wirtschaftsförderung bedeutet zuhören, Türen öffnen, Kontakte herstellen und Probleme gemeinsam angehen.
Mir liegt am Herzen, dass Herten wirtschaftlich gute Perspektiven hat und neue Arbeitsplätze entstehen.
Mit dem Logistikprojekt der E-Gruppe im Green Hub Emscher ist dafür ein wichtiger Schritt getan: Im April 2025 haben die Bauarbeiten begonnen.
Auf rund 37.000 Quadratmetern Mietfläche entsteht ein moderner Logistikstandort, an dem rund 100 Arbeitsplätze vorgesehen sind.
Gleichzeitig treiben wir gemeinsam mit Gelsenkirchen die Entwicklung der Neuen Zeche Westerholt voran.
Die bewilligten Fördermittel in Höhe von 56,2 Millionen Euro sind dafür ein wichtiger Meilenstein.
Ich möchte, dass wir diese Chancen nutzen und Herten als Wirtschaftsstandort weiter stärken. Dafür konnten wir in den letzten Monaten eine angepasste Strategie und Führungsebene auf den Weg bringen. Auch hier starten wir in 2027 neu durch.
Städtepartnerschaften: Freundschaften über Grenzen hinweg
Ein weiteres großes Thema in diesem Jahr waren unsere Partnerstädte.
Städtepartnerschaften sind für mich viel mehr als offizielle Besuche und formale Begegnungen.
Es geht um Menschen, um Freundschaften und darum, über Ländergrenzen hinweg voneinander zu lernen. Mit Arras in Frankreich, Doncaster in England, Schneeberg in Sachsen und Szczytno in Polen verbinden uns ganz unterschiedliche Geschichten und Erfahrungen.
Einmal im Jahr laden wir die Delegationen unserer Partnerstädte zum Europawochenende nach Herten ein. Das ist eine schöne Gelegenheit, zusammenzukommen, sich auszutauschen und die Freundschaften zu pflegen.
Mir ist aber wichtig, dass diese Kontakte nicht auf einen Termin im Jahr beschränkt bleiben.
Ich möchte den persönlichen und engen Austausch mit unseren Partnerstädten aktiv leben – denn echte Partnerschaft entsteht nicht durch Urkunden, sondern durch Begegnungen, gegenseitiges Interesse und das Gefühl, miteinander verbunden zu sein.
Deshalb war ich im ersten Amtsjahr auf fünf Partnerstadt-Reisen rund 6500 km unterwegs.
Gleichzeitig wollen wir unsere internationalen Kontakte weiter ausbauen. Mit Kozlu in der Türkei sind wir auf dem Weg zu einer willkommenen neuen Städtepartnerschaft. Der Rat hat sich dafür ausgesprochen, die weiteren Schritte einzuleiten.
Das freut mich besonders, denn durch die gemeinsame Bergbaugeschichte und die vielen Menschen mit familiären Wurzeln in der Region gibt es bereits eine enge Verbindung zu Herten.
Für eine griechische Partnerstadt müssen wir leider noch eine Extrarunde drehen, was ich persönlich bedaure, aber für den Start zum Jahresanfang optimistisch bin.
Ich finde, solche Partnerschaften machen Europa ganz konkret. Sie bringen Menschen zusammen, schaffen Verständnis füreinander und zeigen, dass uns trotz unterschiedlicher Sprachen und Lebensweisen vieles verbindet. Deshalb möchte ich diese Kontakte weiter pflegen und neue Verbindungen ermöglichen.
Weitere Reisen: Verantwortung und Erinnerung
Drei weitere Reisen mit rund 5000 Kilometern Reiseroute habe ich nach Berlin, Weiden und Riga unternommen, teils auf eigene Reisekosten.
Dabei standen wichtige Gespräche und Themen für unsere Stadt Herten im Fokus.
Besonders in Erinnerung bleibt mir dabei sicherlich die Reise nach Riga.
Herten ist seit 2015 Mitglied im Deutschen Riga-Komitee. In diesem Jahr war ich als erster Hertener Bürgermeister überhaupt bei der Erinnerungs- und Gedenkreise dabei.
Das war mir sehr wichtig und keine gewöhnliche Dienstreise und schon gar kein klassischer Repräsentationstermin.
Es ging um Erinnerung, Verantwortung und darum, sich mit einem Teil unserer Geschichte auseinanderzusetzen, der gerade deshalb nicht vergessen werden darf. Solche Termine zeigen einem auch, dass kommunale Arbeit manchmal weit über die eigenen Stadtgrenzen hinausgeht.
Ratsarbeit: 233 Vorlagen für die politischen Gremien
Natürlich bestand mein Jahr nicht nur aus Außenterminen, Veranstaltungen und Reisen. Ein großer Teil der Arbeit findet ganz unspektakulär im Rathaus statt.
Ein besonders wichtiger Bereich ist dabei die Ratsarbeit. Hinter jeder Ratssitzung stecken zahlreiche Vorlagen, Abstimmungen und Gespräche.
Themen müssen vorbereitet, unterschiedliche Interessen abgewogen und Entscheidungen sorgfältig getroffen werden. Das sieht man von außen oft nicht, gehört aber zu den zentralen Aufgaben als Bürgermeister.
Denn am Ende geht es darum, gute Entscheidungsgrundlagen zu schaffen und die Entwicklung unserer Stadt gemeinsam mit dem Rat voranzubringen.
Wie viel Arbeit dahintersteckt, zeigen auch die Zahlen: Insgesamt haben wir im ersten Jahr, also im betrachteten Zeitraum 233 Vorlagen für die politischen Gremien erarbeitet.
Davon waren 198 Beschlussvorlagen, über die konkret entschieden wurde, und 35 Berichtsvorlagen, mit denen wir über aktuelle Themen und Entwicklungen informiert haben.
Von den 198 Beschlussvorlagen wurden 174 einstimmig beschlossen, 22 fanden eine Mehrheit und nur zwei wurden abgelehnt.
Leider betraf dies die aus meiner Sicht wichtige kommunale Präsenz in der Innenstadt und dazu eine zukunftsorientierte Dezernatsleitung.
Das zeigt aber auch, dass wir bei vielen Themen gemeinsame Lösungen finden. Natürlich gibt es unterschiedliche Positionen und Diskussionen – das gehört zur Demokratie dazu. Entscheidend ist, dass wir uns mit den Themen auseinandersetzen und Entscheidungen treffen, die Herten voranbringen.
Transparenz, Veränderung und ein klarer Blick nach vorn
Das ist vielleicht eine der wichtigsten Erfahrungen aus diesem ersten Jahr. Wir müssen als Stadt nicht auf jede Frage sofort eine perfekte Antwort haben. Aber wir müssen bereit sein, uns mit den Fragen auseinanderzusetzen und Veränderungen zu wagen.
Ich habe mir für diese Amtszeit vorgenommen, Entscheidungen transparenter zu machen und stärker zu erklären. Das bedeutet nicht, dass am Ende alle einer Meinung sein werden. Das wäre auch ziemlich langweilig.
Aber ich finde, Menschen haben ein Recht darauf, zu verstehen, warum eine Entscheidung getroffen wurde, wie sie getroffen wurde.
Ein Jahr Bürgermeister bedeutet deshalb für mich auch nicht: Jetzt ist alles erledigt.
Ganz im Gegenteil. Mir ist klar, dass viele Dinge, die wir und ich angestoßen haben, Zeit brauchen.
Das gilt besonders für die Entwicklung unserer Innenstadt. Mit dem ISEK (Integriertes Stadtentwicklungskonzept) haben wir im Rat eine wichtige Grundlage auf den Weg gebracht.
Jetzt geht es darum, die geplanten Maßnahmen Schritt für Schritt umzusetzen und unsere Innenstadt nachhaltig weiterzuentwickeln.
Ich möchte, dass wir nach und nach sehen und erleben können, wie sich unsere Innenstadt positiv verändert.
Die wirtschaftliche Entwicklung bleibt eine zentrale Aufgabe. Die Verwaltung wird sich weiter verändern. Bei Sicherheit, Sauberkeit und Ordnung gibt es noch einiges zu tun. Und auch bei den Finanzen werden wir nicht plötzlich einen Haken hinter das Thema machen können.
Aber wir haben in diesem ersten Jahr an vielen Stellen angefangen, Dinge neu zu denken.
Und vielleicht ist das die eigentliche Bilanz dieses ersten Jahres: Wir haben nicht alles geschafft. Das wäre auch ziemlich vermessen zu behaupten. Aber wir haben einiges angeschoben.
Wir haben miteinander diskutiert. Wir haben Projekte weitergebracht. Wir haben Unternehmen besucht. Wir haben Vereine und Initiativen getroffen. Wir haben unsere Partnerstädte besucht. Wir haben uns an schwierige Themen herangetraut. Und wir haben uns immer wieder gefragt, wie Verwaltung besser für die Menschen in dieser Stadt arbeiten kann.
Persönliche Bilanz: Respekt und Lust auf das zweite Jahr
Was nehme ich persönlich aus diesem Jahr mit? Vor allem Respekt.
Respekt vor den vielen Menschen, die sich jeden Tag für Herten engagieren – hauptamtlich und ehrenamtlich.
Respekt vor den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Stadtverwaltung, die jeden Tag dafür sorgen, dass eine Stadt mit über 60.000 Menschen überhaupt funktioniert. Die eine Verwaltung und damit mich, als Bürgermeister handlungsfähig machen.
Respekt vor den Unternehmen, die hier investieren und Arbeitsplätze sichern. Und Respekt vor den vielen Bürgerinnen und Bürgern, die nicht nur meckern, sondern sich einbringen.
Und natürlich nehme ich auch eine ganze Menge Aufgaben mit ins zweite Jahr. Denn jetzt kommt der Teil, bei dem man sich nicht mehr auf die ersten 100 Tage berufen kann.
Das erste Jahr war zum Ankommen, Sortieren, Zuhören und Anstoßen.
Das zweite Jahr wird noch stärker darum gehen, Dinge umzusetzen. Ich möchte, dass wir bei den Themen, die wir uns vorgenommen haben, sichtbar vorankommen.
Dabei werde ich sicherlich nicht jede Entscheidung treffen können, die sich irgendjemand wünscht. Und am Ende des Tages entscheidet der Rat über die meisten Vorlagen und Projekte.
Aber eines kann ich versprechen: Ich werde dranbleiben. Denn Herten ist meine Stadt. Und ich bin überzeugt davon, dass wir hier noch eine ganze Menge bewegen können.
Das erste Jahr war deshalb für mich kein fertiger Abschnitt, sondern eher der Anfang.
Und ganz ehrlich: Nach diesem Jahr habe ich noch immer richtig Lust auf Herten.
Bock auf Herten. Also: Weiter geht’s.
Ein Jahr im Amt – Zahlen und Fakten
- Rund 283 Arbeitstage, 195 Bürorunden und 40 Sitzungen des Verwaltungsvorstandes.
- 7 offene Bürgermeistersprechstunden mit insgesamt 14 Stunden direktem Austausch unter dem Motto „Mensch Bürgermeister – jetzt ma Tacheles!“.
- Rund 185.000 Euro strukturelle Einsparungen im ersten Amtsjahr – hochgerechnet rund 925.000 Euro auf fünf Amtsjahre.
- E-Akte: geschätztes Einsparpotenzial von rund 2.000 Euro je Verwaltungsmitarbeitendem und Jahr.
- Kita Distelpink: Durch die Umplanung auf eine ebenerdige Bauweise etwa 750.000 bis 1 Million Euro Einsparung, einschließlich fortlaufender Kostenreduktion.
- 138 Millionen Euro Liquiditätsschulden im November 2026 – gegenüber über 300 Millionen Euro im Jahr 2016.
- 151 Millionen Euro Altschuldenentlastung durch das Land NRW im Jahr 2026.
- 16. April 2026: Offizielle Eröffnung der durch einen privaten Investor umgesetzten Hertener Höfe.
- Green Hub Emscher: rund 37.000 Quadratmeter Mietfläche und etwa 100 vorgesehene Arbeitsplätze beim Logistikprojekt der E-Gruppe.
- 56,2 Millionen Euro bewilligte Fördermittel für die gemeinsame Entwicklung der Neuen Zeche Westerholt mit Gelsenkirchen.
- 5 Partnerstadt-Reisen mit insgesamt rund 6.500 Kilometern.
- Austausch mit Arras, Doncaster, Schneeberg und Szczytno sowie dem Europawochenende in Herten.
- 2026 nahm erstmals ein Hertener Bürgermeister an der Erinnerungs- und Gedenkreise nach Riga teil.
- 233 Vorlagen für die politischen Gremien: 198 Beschlussvorlagen und 35 Berichtsvorlagen.
- Von den 198 Beschlussvorlagen wurden 174 einstimmig und 22 mehrheitlich beschlossen. 2 wurden abgelehnt.
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