Rund 40 Delegationen aus den Mitgliedskommunen des Deutschen Riga-Komitees trafen sich in diesem Jahr in der lettischen Hauptstadt Riga.
Als erster Hertener Bürgermeister seit dem Beitritt der Stadt zum Deutschen Riga-Komitee im Jahr 2015 nahm Fred Toplak an einer Gedenkreise des Komitees teil.
Mit der Mitgliedschaft im Deutschen Riga-Komitee übernimmt die Stadt Herten Verantwortung für die Erinnerung an die während der nationalsozialistischen Herrschaft nach Riga deportierten und ermordeten Jüdinnen und Juden. Außerdem setzt sie sich für eine lebendige Erinnerungskultur sowie demokratische Werte ein.
Bürgermeister Fred Toplak hat die Stadt Herten im Rahmen der Erinnerungs- und Gedenkreise des Deutschen Riga-Komitees in der lettischen Hauptstadt Riga vertreten. Die diesjährige Reise stand im Zeichen zweier bedeutender Jahrestage: dem Gedenken an die Deportation und Ermordung von Jüdinnen und Juden nach Riga vor 85 Jahren sowie dem 25. Jahrestag der Einweihung der Gräber- und Gedenkstätte Bikernieki.
Für Herten hatte die Reise zudem eine besondere Bedeutung: Seit dem Beitritt der Stadt zum Deutschen Riga-Komitee im Jahr 2015 war es das erste Mal, dass ein Hertener Bürgermeister an dieser Gedenkreise teilnahm. „Diese Reise bedeutet mir persönlich sehr viel. Erinnerungskultur heißt für mich nicht, Schuld weiterzutragen oder eine Täterkultur zu pflegen. Sie bedeutet vielmehr, aus der Geschichte zu lernen. Gerade jungen Menschen müssen wir vermitteln, wie wichtig es ist, nicht wegzuschauen, füreinander einzustehen, Demokratie zu schützen und die Würde jedes Menschen zu achten“, so Bürgermeister Toplak.
Die Stadt Herten ist seit 2015 Mitglied im Deutschen Riga-Komitee. Mit der Mitgliedschaft übernimmt sie Verantwortung für die Erinnerung an die während der nationalsozialistischen Herrschaft nach Riga deportierten und ermordeten Jüdinnen und Juden und setzt sich für eine lebendige Erinnerungskultur sowie die Vermittlung demokratischer Werte ein.
Den Auftakt der Reise bildete am ersten Abend die Begrüßung der Vertreterinnen und Vertreter der Mitgliedsstädte des Deutschen Riga-Komitees. Dr. Gundula Bavendamm, Mitglied des Bundesvorstandes des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge, hieß die Delegationen aus rund 40 von 80 Mitgliedskommunen willkommen. Anschließend gaben die deutsche Botschafterin in Lettland, Gudrun Masloch, sowie die österreichische Botschafterin Bernadette Klösch einen gemeinsamen Überblick über die aktuelle erinnerungspolitische Zusammenarbeit und die Bedeutung der Gedenkreise.
Am zweiten Reisetag wurden die Delegationen im Rathaus der Stadt Riga empfangen. Nach einer Einführung in die Geschichte und Entwicklung der lettischen Hauptstadt durch Ratsmitglied Edgars Ikstens begrüßte der Oberbürgermeister und Vorsitzende des Rates der Stadt Riga, Viesturs Kleinbergs, die Delegationen offiziell. Nach einem gemeinsamen Austausch folgte eine Führung durch das Rathaus.
Der dritte Reisetag stand ganz im Zeichen des Gedenkens. Am lettischen Holocaust-Gedenktag versammelten sich die Delegationen zunächst an der Gräber- und Gedenkstätte Bikernieki. Dort gedachte Bürgermeister Toplak gemeinsam mit den Vertreterinnen und Vertretern der Mitgliedsstädte an dem Namensstein der Stadt Herten der Opfer der nationalsozialistischen Verbrechen. Im Anschluss nahmen die Delegationen an der zentralen internationalen Gedenkveranstaltung teil.
Für Bürgermeister Toplak war insbesondere die Begegnung mit einer jungen lettischen Musikerin bewegend, die über ihre persönliche Verbindung zur Gedenkstätte sprach. Ihre Großeltern hatten unweit des heutigen Erinnerungsortes gelebt, sie selbst verbrachte dort ihre Kindheit. Ein Satz blieb dem Bürgermeister besonders im Gedächtnis: „Ich liebe Wälder – nur diesen nicht.“ Für sie trage dieser Wald nicht nur Bäume, sondern das Bewusstsein unzähliger Schicksale in sich. Diese Worte machten eindrucksvoll deutlich, wie Erinnerung über Generationen hinweg weiterlebt.
Anschließend beteiligte sich die Hertener Delegation an der offiziellen Gedenkfeier zum lettischen Holocaust-Gedenktag an der Gedenkstätte der ehemaligen Großen Choral-Synagoge in der Altstadt von Riga. Gemeinsam mit Vertreterinnen und Vertretern der jüdischen Gemeinde sowie zahlreichen internationalen Gästen wurde dort der Opfer des Holocaust gedacht.
Neben dem offiziellen Programm bot der Aufenthalt Gelegenheit, die Entwicklung der lettischen Hauptstadt näher kennenzulernen. Riga präsentiert sich als moderne, dynamische Metropole mit einer klaren Zukunftsstrategie. Die Stadt setzt auf eine investitionsfreundliche Verwaltung, kurze Entscheidungswege, transparente Prozesse sowie eine enge Zusammenarbeit zwischen Verwaltung, Wirtschaft und Bürgerschaft. Gleichzeitig entstehen grüne Aufenthaltsflächen, attraktive Fußgängerzonen und moderne Arbeitswelten. Sicherheit, Sauberkeit und eine nachhaltige Tourismusentwicklung bilden weitere Schwerpunkte der Stadtentwicklung.
„Viele Ansätze, die wir in Riga kennenlernen konnten, decken sich mit den Zielen, die wir auch in Herten verfolgen“, erklärt Bürgermeister Fred Toplak. „Eine enge Zusammenarbeit zwischen Verwaltung, Wirtschaft und Bürgerschaft, eine ausgewogene Stadtentwicklung sowie die Verbindung von wirtschaftlicher Stärke, sozialer Verantwortung und Umweltbewusstsein sind entscheidende Faktoren für lebenswerte Städte. Riga wirkt auf mich nicht nur wie gebaut, sondern wie bewusst gestaltete Zukunft – mit Mut, Klarheit und einer offenen Gemeinschaft.“
Zum Abschluss zog er ein persönliches Fazit: „Ich bin dankbar, Herten bei dieser wichtigen Gedenkreise vertreten zu dürfen. Die Erinnerung an die Opfer des Nationalsozialismus darf nicht verblassen. Sie ist Auftrag, Verantwortung und Mahnung zugleich – für Menschlichkeit, Respekt und den Mut, niemals wegzuschauen. Dass Herten Teil des Deutschen Riga-Komitees und der lebendigen Erinnerungskultur in Riga ist, erfüllt mich mit großer Dankbarkeit.“