Historie Schlosspark Herten

Die Geschichte des Schlossparks ist eng mit der Historie des Wasserschlosses Herten verbunden. Drei große Entwicklungsepochen haben den Schlosspark geprägt.

Erste Phase: Ausgestaltung zur barocken Gartenanlage

Das Adelsgeschlecht von Nesselrode war seit 1529 im Besitz von Wasserburg- und Gartenanlage. Um1650 gestalteten sie die bis dahin bestehende Wehrburg - erstmals 1376 urkundlich erwähnt - zu einer „Wohnburg“ aus. Nach einem verheerenden Brand baute man das Schloss mit barocken Elementen wieder auf. Der umgebende Schlosspark wurde dabei von 1680 an im zeitgenössischen Stil gestaltet. Es entstand nach und nach bis Anfang des 18. Jahrhunderts ein großzügig angelegter Barockgarten.

Renier Roidkin (ca. 1730)

Ausmaße und Gestaltung des Barockgartens sind aus der Feder des wallonischen Malers Renier Roidkin überliefert. Er hielt den Schlosspark um 1730 zwar bis ins Detail, jedoch perspektivisch verzerrt, im Bild fest. Besonders charakterisiert wurde die barocke Parkanlage durch die noch heute erkennbaren sternförmigen Alleen.

Die Orangerie um 1930

Kernstück der Anlage war das mit vielen Gewächsen und Blumen ausgeschmückte Parterre auf dem sich heute die Narzissenwiese befindet. Das Barockparterre war Bindeglied zwischen Schloss und Orangerie.

Diese wurde 1725 erbaut. Leider ist die Orangerie heute nur noch als Ruine erhalten. Ursprünglich überwinterten hier neben Orangenbäumchen auch andere empfindliche Pflanzen. Später diente das Gebäude auch als Ort von Feierlichkeiten und kulturellen Ereignissen.

Zu Beginn des 18. Jahrhunderts wurde ein weiteres Gebäude als Bestandteil der barocken Anlage errichtet: das Tabakhaus, von den Hertener wegen seiner kleinen Größe auch liebevoll „Tabakhäuschen“ genannt. Das so genannte „Schlaunhaus“ hingegen, das heute einen Teil der LWL-Klinik beheimatet, wurde erst in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts durch einen von Johann Conrad Schlaun beeinflussten Architekten erbaut. Auch die kleine weiße Kapelle, zwischen Schloss und Schlaunhaus gelegen, wurde erst später am Ort errichtet: Als Teil der ehemaligen Schlossanlage Grimberg in Gelsenkirchen wurde sie zu Beginn des 16. Jahrhunderts erstellt und 1908 nach Herten versetzt.

Zweite Phase: Umwandlung zum Landschaftspark nach englischem Vorbild

Der Düsseldorfer Hofgärtner Professor Maximilian Friedrich Weyhe prägte die Gestaltung der Anlage in den Jahren 1814-1817. Ihm wird die Umwandlung des Schlossparks in einen Landschaftspark nach englischem Vorbild zugeschrieben. Dabei wurden die westlich des Parks gelegenen Wiesen optische in den Park mit einbezogen. Die beiden Fischteiche weisen den Blick in diese Richtung.

Schlosspark Radierung 1850

Im Gegensatz zu anderen Landschaftsparks ist die Beibehaltung der barocken Strukturen als einzigartig anzusehen. So lassen sich im Schlosspark immer wieder die malerisch fließenden Strukturen von Weyhe neben den Merkmalen der barocken Gestaltung ablesen.

Auch die mit den barocken Alleen verbundenen Plätze, Herkulesplatz und Hatzfeld-Platz, sind in ihrer runden Gestaltung vermutlich erst in dieser Phase ausgebildet worden.

Aus der Zeit des Landschaftsgartens ist ein großer Teil des einzigartigen Baumbestandes erhalten geblieben. Aus der diplomatischen Tätigkeit der Adelsfamilie wurden immer wieder wertvolle und zum Teil exotische Gewächse in den Schlosspark Herten verpflanzt. Zu den Exoten zählen unter anderem der Taschentuchbaum, dessen Blüten wie flatternde, weiße Fähnchen aussehen, ein stattlicher Trompetenbaum, ein schön gewachsener Judasblattbaum, ein Maiglöckchenbaum sowie eine japanische Maiskolbenmagnolie.

Ein außergewöhnliches Schauspiel können Schlossparkbesucher Anfang April beobachten: auf der Narzissenwiese blüht ein Meer aus rund 500.000 gelben Narzissen. Ein ähnliches Bild bietet ein großes Beet von Schneeglöckchen, die im Februar/März blühen.

  

Dritte Phase: Der Park wird der Öffentlichkeit zugänglich gemacht

1920 entschied die gräfliche Familie, den Wohnsitz wegen der Unsicherheiten nach dem 1. Weltkrieg zu verlegen. Seitdem war das Schloss weitgehend unbewohnt und die Schlossanlagen verfielen nach und nach.

Der Wandel des Parks wurde im Verlauf der letzten Jahrzehnte wesentlich durch die Aktivitäten des Bergbaus geprägt. Bergschäden haben vor allem an den Gebäuden und im Bereich der Gewässer ihre Spuren hinterlassen. Mit großer Sicherheit hat auch der veränderte Grundwasserspiegel den Vegetationsbeständen zugesetzt.

1974 erwarb der Landschaftsverband Westfalen-Lippe die Schlossanlage. Erst seitdem ist der Schlosspark für die Öffentlichkeit freigegeben. Um die Instandhaltung und die Renovierung der Gebäude kümmerte sich der Landschaftsverband, der 30 ha große verwilderte Park wurde in den Jahren 1974 bis 1982 durch das Gartenbauamt der Stadt Herten wiederhergestellt. 1988 stellte man den Schlosspark wegen seines kulturhistorischen Wertes unter Denkmalschutz: unter gartendenkmalpflegerischen Aspekten ist die Bedeutung des Hertener Schlossparks herausragend. Er ist der einzige Park im gesamten Ruhrgebiet, in dem zum Einen die ursprünglich barocken Strukturen noch weitgehend erhalten sind und zum Anderen die Entwicklung vom formalen Park des Barocks hin zum englischen Landschaftsgarten deutlich ablesbar ist.

Zur Sicherung der denkmalgeschützten Anlage und um den Schlosspark in seiner überregionaler Bedeutung zu steigern, hat die Stadt Herten 2005 ein entsprechendes Parkpflegewerk in Auftrag gegeben.

Im November 2008 ist der Schlosspark vom Landschaftsverband Westfalen-Lippe in den Besitz der Stadt Herten übergegangen.

Für die Entwicklung des Schlossparks ist auch seine Einbindung in die regionale Freiraumplanung von Bedeutung. Der Schlosspark ist Teil des Regionalen Grünzugs D im nördlichen Ruhrgebiet. Das Parkpflegewerk ist ein Projektbaustein des regionalen Masterplans Emscher Landschaftsparks.


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